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	<title>Rezensionen &#187; Boyle, T. C.</title>
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	<description>von Petra Hildebrandt</description>
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		<title>T. C. Boyle &#8211; A Friend of the Earth</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Aug 2008 15:25:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra</dc:creator>
				<category><![CDATA[Belletristik]]></category>
		<category><![CDATA[Boyle, T. C.]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
		<category><![CDATA[friend of the earth]]></category>
		<category><![CDATA[Kalifornien]]></category>
		<category><![CDATA[Klimakatastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Ty Tierwater]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Klimakatastrophe hat stattgefunden, die meisten Arten sind ausgestorben. El Nino gehört zum Alltag der USA, das Klima schwankt zwischen monsunartigem Dauerregen in dem nichts wirklich trocknet, und glühendheissen Trockenzeiten. Der einzige verfügbare Alkohol ist Sake, aus dem überall angebauten Reis, und das tierische Eiweiß kommt von Catfish, der auch schon mal an klammen Hauswänden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Klimakatastrophe hat stattgefunden, die meisten Arten sind ausgestorben. El Nino gehört zum Alltag der USA, das Klima schwankt zwischen monsunartigem Dauerregen in dem nichts wirklich trocknet, und glühendheissen Trockenzeiten. Der einzige verfügbare Alkohol ist Sake, aus dem überall angebauten Reis, und das tierische Eiweiß kommt von Catfish, der auch schon mal an klammen Hauswänden emporkriecht, kurzum, das Leben im Jahr 2025, wie es Boyle schildert, macht keinen Spaß.</p>
<p>Hauptfigur von</p>
<h3 align=center><a href="http://www.amazon.de/gp/product/0747556687?ie=UTF8&#038;tag=webhafen-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=0747556687"><img src="http://ecx.images-amazon.com/images/I/21JN39PFXZL._SL160_.jpg" border=0></p>
<p>A Friend of the Earth</a></h3>
<p>ist Tyrone &#8220;Ty&#8221; O&#8217;Shaughnessy Tierwater, geboren 1950. In den 80ern des 20. Jahrhunderts war er noch ein langhaariger Öko-Aktivist, getrieben vom Engagement seiner Freundin Andrea. Doch das Leben meint es nicht gut mit ihm, er wandert als Aktivist in den Knast, und zu Beginn des Romans ist er 75 Jahre alt und desillusioniert, seine erste Frau und die Tochter aus dieser Ehe sind tot, und er verdient sich seinen Lebensunterhalt &#8211; das Rentensystem ist nicht mehr existent &#8211; als Tierpfleger für einen superreichen Popstar irgendwo in Kalifornien.</p>
<p>Sein Arbeitgeber träumt davon, ein paar Exemplare aussterbender Spezies am Leben zu erhalten und sie später in Gefangenschaft zu züchten, dabei konzentriert er sich auf Tierarten an denen nur wenige ein Interesse haben. Seit nunmehr 10 Jahren ist Tierwater bei ihm angestellt, als Andrea, seine Ex-Frau und die Stiefmutter seiner verbliebenen Tochter Sierra (wie <a href="http://www.sierraclub.org/">Sierra Club</a>) plötzlich aufkreuzt und bei ihm einzieht, um die Geschichte von Sierra zu schreiben, die 2001 als &#8220;tree-hugger&#8221; starb.<br />
<span id="more-222"></span><br />
Die Geschichte von Sierra ist eingebunden als eigene Erzählung in den Roman.</p>
<p>Durch eine unglückliche Verkettung von Umständen kommt Tierwaters Arbeitgeber ums Leben und er ist ohne Job, die Erben des Stars verstossen ihn mitsamt Andrea, in die er sich erneut verliebt hat. Sie machen sich auf den Weg zu einer Berghütte, in der sie sich vor Jahrzehnten vor der Polizei versteckt haben, und finden dort eine Art Neuanfang, ein <em>Walden</em>, wenn man so will, das die Hoffnung wiedererweckt, die sie 30 Jahre zuvor verloren glaubten.</p>
<p>Das wirklich seltsame an <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0747556687?ie=UTF8&#038;tag=webhafen-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=0747556687">A Friend of the Earth</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=webhafen-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=0747556687" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> ist dieses gelinde optimistische Ende, das nicht so recht zum Rest des Romans passen will, denn der ist eine gnadenlose Abrechnung mit dem Heute &#8211; selten hat jemand so prägnant, mit solcher Bildgewalt beschrieben, wie das Leben (in Kalifornien) post-Klimakatastrophe aussehen mag, dabei den Finger in die absurden und prekären Zustände der zerbröckelnden Sozialsysteme gelegt, den Jugend- und Schönheitschirurgiekult unter die Lupe genommen, und dennoch eine so fantastische, fesselnde Geschichte geschrieben. Ty als &#8220;junger Alter&#8221; und Erzähler der Geschichte, der dabei zwischen seinem jüngeren und dem heutigen Ich hin- und herspringt, zeigt wie sich ein Mensch verändern kann, aber wie schnell auch Dinge die wir heute für gegeben hinnehmen, locker in unserer eigenen Lebenszeit ganz andere Wendungen erfahren können.</p>
<p>Dabei ist Ty Tierwater keineswegs ein strahlender Held, eher schon ein ziemlich kaputter Typ, und vielleicht ist es gerade das, was zusammen mit der glasklaren Sprache Boyles den Reiz dieses Romans ausmacht &#8211; ein Underdog hält uns den Spiegel von Ereignissen vor, die uns in nicht allzuferner Zukunft genauso auch ereilen könnten, eine kaputte, kranke Welt die einem die Kehle zuschnürt und das hilflos zynische Lachen dabei zu ersticken scheint.</p>
<p>Ist das Sci-Fi? Ist das ein Ökothriller, oder doch eine Fabel? Es ist auf jeden Fall ein verdammt guter, fesselnder Roman,  der zu den Highlights meines Lesejahres gehört. Unbedingt lesen.</p>
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		<title>T. C. Boyle &#8211; Talk Talk</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Mar 2008 15:00:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra</dc:creator>
				<category><![CDATA[Belletristik]]></category>
		<category><![CDATA[Boyle, T. C.]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin ein grosser Fan der Bücher von Thomas Coraghessan Boyle, seit ich 1995 The Tortilla Curtain, deutsch America, las. In T. C. Boyle &#8211; Talk Talk legt er wieder einmal einen zeitgenössischen Roman vor, der sich &#8211; ähnlich wie The Tortilla Curtain &#8211; daran macht, den (nicht nur) US-amerikanischen (Alp-)Traum zu sezieren. Und das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin ein grosser Fan der Bücher von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/T._C._Boyle">Thomas Coraghessan Boyle</a>, seit ich 1995 <em>The Tortilla Curtain</em>, deutsch <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3423125195?ie=UTF8&#038;tag=webhafen-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3423125195">America</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=webhafen-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3423125195" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" />, las.</p>
<p>In</p>
<h3 align=center><a href="http://www.amazon.de/gp/product/0747587272?ie=UTF8&#038;tag=webhafen-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=0747587272"><img src="http://ecx.images-amazon.com/images/I/41EWP%2BLt22L._SL160_.jpg" border=0><br clear=all><br clear=all>T. C. Boyle &#8211; Talk Talk</a></h3>
<p>legt er wieder einmal einen zeitgenössischen Roman vor, der sich &#8211; ähnlich wie <em>The Tortilla Curtain</em> &#8211; daran macht, den (nicht nur) US-amerikanischen (Alp-)Traum zu sezieren.</p>
<p>Und das Thema das er sich vorgenommen hat ist eins, das mir den Atem stocken lässt &#8211; von der Willkür und Sinnlosigkeit des amerikanischen Polizei- und Justizwesens ist es nur ein kurzer Schritt zur Problematik des Identitätsdiebstahls, in den USA noch massiv verschärft dadurch dass es kein einheitliches Meldewesen gibt und Konzerne wie Kunden sorglos mit Identitäten und deren Sicherung umgehen.</p>
<p>Alles beginnt mit Dana Halter, einer gehörlosen Lehrerin, die auf dem Weg zur Arbeit, weil sie es eilig hat, nicht an einem Stoppschild hält. Und wenig später findet sie sich in einem Gefängnis wieder, wo man ihr die Liste ihrer immer noch aus zahllosen Counties und Bundesstaaten hereintröpfelnden Verfehlungen vorhält &#8211; geplatzte Schecks, Kreditbetrug, offene Rechnungen &#8211; ein fiskalisches Armageddon. Nur dass sie an keinem dieser Orte jemals war. Wegen der Fluchtgefahr weigert man sich, Kaution zu genehmigen, da sie in wenigstens zwei Staaten auf der Fahndungsliste stehe. Auch ihr Lebensgefährte Bridger, Special-Effects Programmierer im Valley, und ein herbeizitierter Gebärdensprachedolmetscher und ihre Anwältin vermögen nichts zu ändern &#8211; Dana muss mehrere Tage im Gefängnis verbringen, und selbst als sich herausstellt dass sie unschuldig ist, kann sie dem System nicht einfach entkommen.</p>
<p>Das alptraumhafte Szenario, das Boyle hier im ersten Abschnitt des Romans entfaltet, schickt mir kalte Schauer den Rücken hinab &#8211; ist auch der Polizeistaat wie er ihn schildert (und für die USA wohl so auch realistisch ist) bei uns noch ein klein wenig moderater (wenn auch nicht viel), ist auch unser Kredit- und Identitätsmanagement eine Winzigkeit schwerer zu knacken, das was er da schildert könnte jedem von uns passieren, wenn unsere Daten in die falschen Hände geraten, und es ist ein guter Grund auch weiter paranoid zu sein was Datenschutz angeht.</p>
<p>Der Großteil des Romans befasst sich aber weniger mit dieser Problematik, sondern mit einer sich langsam entfaltenden Dreiecks-Nicht-Beziehung zwischen Bridger, Dana Halter und dem Mann, der ihre Identität als Dr. Dana Halter gestohlen hat und eigentlich William &#8220;Peck&#8221; Wilson  heisst. (Bezeichnenderweise ist &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/William_Wilson_(Poe)">William Wilson</a>&#8221; eine Geschichte von Edgar Allan Poe, in der es um einen Doppelgänger geht).</p>
<p>Da die Strafverfolgung weder fähig noch willens ist, dem falschen Dana Halter das Handwerk zu legen, machen sich Bridger und Dana auf die Suche nach dem Doppelgänger, damit die Sache ein für alle mal geregelt ist und Dana wieder ruhig schlafen kann. Was folgt ist eine fernsehreife Verfolgungsjagd, und mit einer Verfilmung ist wohl zu rechnen.<br />
<span id="more-194"></span><br />
Boyle nimmt sich viel Zeit, den Täter in diesem Roman vorzustellen, in sein privates Leben, seine Antriebe, seine Psyche einzutauchen, und doch kann man für ihn irgendwie kein Verständnis aufbringen, er ist einfach nur ein narzisstischer Egomane, ein &#8220;villain&#8221; par excellence &#8211; das ist ungewohnt banal. Ebenso wenig entwickelt sich die gehörlose Dana Halter zu einer Person, die man mag oder mit der man sich identifizieren könnte, sie scheint unter einem Panzer von Aggression zu leben. Das liegt wohl auch daran, dass Boyle die Andersartigkeit des Lebens einer Gehörlosen in einer hörenden Umwelt trotz des Titels &#8211; <strong>Talk Talk</strong> ist der US-Ausdruck für eine Gebärdensprach-Unterhaltung zwischen Gehörlosen &#8211; nicht vermitteln kann, zu sehr ist seine Darstellung von Dana in Klischees verhaftet.</p>
<p>Der Identitätsdiebstahl, der diesem Roman den brisanten Kern hätte geben können, bleibt einleitendes Beiwerk, da hilft auch die Thriller-Struktur nicht, die Boyle dieser Charakterstudie übergestülpt hat. Nicht plottragende detaillierte Beschreibungen der Gourmetmenus, die sich der Kriminelle zubereitet, kontrastieren mit den eher unmotivierten Verfolgungsjagden, deren Szenenschnitte an ein Drehbuch erinnern &#8211; das Buch wirkt wie aus Versatzstücken unterschiedlicher Filme oder Stories zusammengesetzt, und kulminiert schließlich in einem Finale, das ebenso vorhersehbar wie unbefriedigend ist.</p>
<p>Die Frage &#8220;Wer bin ich?&#8221; mit dem faktischen Verlust der Identität auf dem Papier zu koppeln, ist ein interessanter Ansatz &#8211; das was Boyle daraus gemacht hat, ist jedoch enttäuschend auf ganzer Linie und vermag nicht einmal mit Sprachwitz zu überzeugen. Doppelt schade, da der Roman vielversprechend anfing. Aus diesem Thema hätte man mehr machen können &#8211; <em>Talk Talk</em> verschenkt gute 300 von 400 Seiten, um an einen Punkt zu gelangen, der auf den ersten 100 Seiten bereits absehbar war.</p>
<p>Kurzum, eine<strong> Boyle&#8217;sche Fehlleistung</strong>. Meine Empfehlung:<br />
<a href="http://www.amazon.de/gp/search?ie=UTF8&#038;keywords=T.%20C.%20Boyle&#038;tag=webhafen-21&#038;index=english-books&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=6742">Lieber etwas anderes von T.C. Boyle lesen.</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=webhafen-21&amp;l=ur2&amp;o=3" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /></p>
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