U.S.S. Longbeard – Teil 3
16. Mai 2007 – 06:43
Begegnung im neutralen Raum [Lasse Bjoern Wittland]
Ort : Brücke der Longbeard
Irgendetwas piepte. Bosley, der ausnahmsweise einmal nicht damit beschäftigt war für K’YaRT’ash Kartoffeln zu schälen oder einem der Admiräle die Schuhe zu wienern hatte die freie Zeit genutzt, um sich einmal ein wenig mit den eigentlichen Aufgaben eines Sternenflottenoffiziers zu beschäftigen und an der Sensorkontrolle der Longbeard platzgenommen. Nicht dass momentan viel zu tun gewesen wäre. Commander Longbottom-Hijacker hatte eine Notabschaltung des Warpkerns verursacht als er versucht hatte dessen Energie direkt in den Swimmingpool umzuleiten um diesen aufzuheizen. Diesmal war glücklicherweise nichts weiter passiert, aber für die nächsten Stunden war die Longbeard auf die Impulsantriebe beschränkt, bis der Kern wieder in Betrieb genommen werden konnte. Aber auch daran gewöhnte man sich auf diesem Schiff.
Wieder das Piepen. Schnell merkte der junge Mann, dass das Piepen von seiner Konsole kam, und mit wenigen Handgriffen hatte er die Ursache ausgemacht.
“Captain? Ich empfange hier seltsame Werte auf den Nahbereichssensoren.”
“Was?” erkundigte Jo sich und schlug wiederwillig die Augen auf.
“Ich empfange hier seltsame Werte auf den Nahbereichssensoren.” wiederholte Bosley geduldig.
“Ich weiss, was Sie gesagt haben.” fuhr Jo unwisch auf und erhob sich von seinem Kommandosessel. “Oder sehe ich aus wie Gerry? Ich will wissen, was Sie empfangen!”
“Natürlich.” murmelte Bosley und gab eine Reihe Anfragen ein. “Ich kann es leider nicht genau sagen. Seit Commander Longbottom-Hijacker den Signalverwertungsprozessor aus der Hauptsensorphalanx ausgebaut hat um den Flipper im Kasino zu reparieren ist es schwer, da draussen überhaupt etwas zu erkennen.”
“Manchmal muss man eben Prioritäten setzten.” meinte Jo und baute sich hinter Bosley auf. Er wollte damit die Autorität, die ihm als CO zustand, weiter unterstreichen. Dieser ärgerte sich aber nur still darüber, das ihm sein Vorgesetzter wieder einmal im Licht stand.
“Ich kann definitiv eine Masse vor uns registrieren. Und sie strahlt Energie ab. Ich wuerde vermuten, das es ein Schiff ist, aber ich kann nicht sagen was für eines oder in welcher Richtung es fliegt. Oder wieso wir es jetzt erst bemerkt haben.” fuhr Bosley tapfer mit seiner Analyse fort.
“Ich habe da schon eine Theorie.” brummte Jo. “Ich werde mir später überlegen, wie ich Sie für dieses Nickerchen zur Rechenschaft ziehen werde.”
“Aber ich habe nicht…” wollte Bosley sich verteidigen, wurde von dem Fossil hinter ihm jedoch gnadenlos abgewürgt.
“Papperlapapp. Falls Sie es noch nicht bemerkt haben sollten: Ich kann Sie auch durch meine geschlossenen Lider beobachten.” warf Jo einen gewichtigen Beweis in den Raum. Als Bosley nicht antwortete, liess er einmal laut die Fingerknöckel knacksen – das Geräusch war auf der gesamten Brücke zu hören – und schob den jüngeren Mann von der Konsole weg.
“So, und nun rücken Sie mal zur Seite. Wollen wir doch mal sehen, ob der gute ‘Doc’ nicht herausfinden kann, was da vor uns rumkurvt.”
Snyders Finger huschten mit einer für sein Alter erstaunlichen Geschwindigkeit über die Konsole, als er allerhand Kommandos eingab. Das richtige würde schon dabei sein, dessen war er sich sicher. Und tatsächlich, nach weniger als einer halben Minute tauchten weitere Details zu dem unbekannten Schiff auf.
“Na bitte, Jungchen. _So_ macht man das!”
“Nicht schlecht, Sir.” gab Bosley zu. Sie konnten jetzt erkennen dass das Schiff sehr groß war und recht schnell direkt auf sie zukam – vermutlich nicht mehr als zwei Minuten brauchen würde um sie zu erreichen.
“Wie haben Sie das gemacht?”
“Berufsgeheimnis” schmunzelte Jo. Er hatte nicht den geringsten Schimmer.
“Blöderweise steht da immer noch nicht, was für ein Schiff das ist.” er schlug mit der rechten Faust auf die Konsole. Irgendwo in dem Gerät zischte etwas.
Wieder veränderten sich die Anzeigen, und nach ein paar Sekunden erschien die Silhouette des fremden Schiffes auf dem Hauptbildschirm. Die zu Streifen gezogenen Sterne im Hintergrund zeigten, das es auf Warp flog.
“Was ist _das_?” rief Jo überrascht auf. Irgendwoher kam ihm der Schiffstyp bekannt vor, aber er konnte es nicht mehr einordnen.
“Das ist ein romulanischer Warbird, Sir.” half Bosley aus. “Und er kommt direkt auf uns zu.”
“Romulaner?” schrie Jo auf. “Alarm! Rote, Gelb, alles, was da ist! Besetzt die Kampfstationen. Schilde hoch! Und macht die photonische Kanone feuerbereit!”
“Die _was_?” rief Bosley. Irgendwo begann eine Sirene zu kreischen, und die Brückenbeleuchtung wechselte auf ein flackerndes Rot (eins der Leuchtaggregate hatte einen Wackelkontakt).
“Die photonische Kanone.” wiederholte Jo. “Sie wissen schon. Schiesst mit Photonen oder so. Ziemlich unangenehm, wenn man auf der falschen Seite des Geschützlaufes steht.”
“Wir haben aber keine photonische Kanone.” warf Bosley ein. “So etwas gibt es gar nicht!”
“Natürlich gibt es photonische Kanonen!” behauptete Jo steif und fest.
“Oder was glauben Sie, womit Commander Cobalt die myrianische Invasion aufgehalten hat? Ich habe gleich ein Exemplar davon für die Longbeard bestellt, als ich davon gelesen habe.”
Bosley war weiter skeptisch, also holte der CO seinen Trumpf hervor. Er schritt zu seinem Kommandosessel zurück und kramte hinter der Rückenlehne ein vergilbtes, zerfleddertes Comicheft hervor. Auf der Titelseite konnte man einen übertrieben muskulösen Menschen erkennen, der mit einer nicht näher identifizierbaren krakenarmigen Kreatur rang. Darüber war ein Raumschiff (vermutlich eine Excelsior) zu sehen, das mit einem gelben Blitz gerade ein ebenfalls tentakliges Raumschiff zerstörte. Und auf eben dieses deutete Jo als er zur Sensorkonsole zurückkehrte.
“Das hier ist eine photonische Kanone.” erklärte er stolz.
Ehe Bosley darauf eingehen konnte veränderte sich das Bild auf dem Hauptschirm, als die Sterne zu Punkten zusammenschrumpften.
“Der Warbird ist unter Warp gegangen.” erklärte Bosley sicherheitshalber.
“Sind sie schon in Waffenreichweite?” fragte Jo.
“Noch nicht. Aber sie kommen näher.”
Ort : Brücke des romulanischen Warbirds Kh’aiell, 1. Flotte
“Zeit bis zum Kontakt?”
“Til siuren, Rekkhai.” [(ca.) 2 Minuten, Sir]
“Daelft [Gut]. Arrain [Lt.], gibt es irgendwelche Veränderungen bei dem Schiff?”
Riov Aehhkifv blickte auf das kleine Schiff, das langsam auf seinem Brückenschirm größer wurde. Laut dem Transpondersignal handelte es sich um die HMS Titanic, allerdings bezeichnete die auf seinen Rumpf gepinselten Ziffern und Buchstaben es als die USS Longbeard – eine Identifikation, der Aehkhifv mehr Vertrauen entgegenbrachte.
“Dhat.” antwortete die Arrain an der taktischen Konsole. [Nein]
“Sie fliegen nach wie vor mit Impuls. Kurs unverändert.”
Aehkhifv nickte zur Bestätigung. “Unsere Position?”
“Ein halbes Lichtjahr hinter der Grenze, in der neutralen Zone.” berichtete die Arrain.
Wieder betrachtete Aehkhifv das Föderationsschiff. Sie hatten es vor ein paar Stunden entdeckt und seit dem beobachtet. Eigentlich hatten sie zuerst nur eine ungewöhnlich starke Energieentladung in der neutralen Zone entdeckt, und erst als sie sich der Grenze weiter genähert hatten das Schiff gefunden. Anscheinend gab es einen Defekt an den Warpsystemen, der auch die Energiespitze verursacht hatte; jedenfalls flog das Schiff nur noch mit Impulsgeschwindigkeit und schien stark beschädigt zu sein. Die Hülle war teilweise geschwärzt oder beschädigt, der Steuerbordbussardkollektor verlor die eingesammelte Raummaterie ehe er sie in die Tanks weiterleiten konnte, und die Energiesignatur des Schiffes war mehr als merkwürdig.
Aehkhifv hatte die Situation eine Weile beobachtet, doch als klar wurde dass das Schiff weiter auf romulanisches Hoheitsgebiet zuhielt anstatt umzukehren und in befreundetes Gebiet zurückzufliegen hatte er einen Abfangkurs in die neutrale Zone setzten lassen. Immerhin hatte das andere Schiff die Zone als erstes betreten.
“Riov, da tut sich etwas.” meldete die Arrain nun. “Die Longbeard fährt ihre Schilde hoch. 30%. 50%. 68%. 73%.” eine kurze Pause “74,71% der Nominalstärke diese Schiffsklasse. Sie leiten auch Energie in ihre Waffen – glaube ich zumindestens.”
“Wie ist unser taktischer Status?” erkundigte Aehkhifv sich.
“Schilde bei 98,2%. Waffen deaktiviert, aber bereit.” meldete die Arrain ruhig. “Waffenreichweite in yil ewa [etwas über 30 Sek.].”
“Position halten.” ordnete Aehkhifv an. “Und öffnen sie einen Kanal zu dem Schiff.”
Ort : Brücke USS Longbeard
“Täusche ich mich oder sind die stehengeblieben?” Dean, der mittlerweile auch auf der Brücke angekommen war musterte den Warbird auf dem Hauptschirm argwöhnisch.
“Sind sie.” stimmte Adlerauge Jo zu. “Wahrscheinlich haben sie gemerkt mit wem sie sich hier anlegen und es mit der Angst gekriegt.” Er drehte sich zur Steuerkonsole um. “Wir werden diesen Kurs halten.”
“Sir? Die Romulaner rufen uns.”
“Aha? Mal sehen, was sie von uns wollen. Auf den Schirm.” Jo setzte sein bestes Gewinnerlächeln auf und zog seine Uniform zurecht.
“Aber nehmt die Coladose vorher aus dem Bild.” rief Dean noch – leider zu spät.
Auf dem Bildschirm erschien ein romulanischer Offizier.
“Ich grüße Sie. Ich bin Riov Aehkhifv vom imperialen Warbird Kh’aiell. Deaktivieren sie ihre Waffen. Wir sind nicht hier, um mit ihnen zu kämpfen.”
“Das freut mich zu hören, Riov. Um Ihretwillen.” antwortete Jo. “Ich bin Captain Jo Snyder von der USS…”
“Longbeard” soufflierte Dean.
“Longbeard” wiederholte Jo. “Darf ich erfahren, was Sie hier zu suchen haben?”
Die Miene des Romulaners wurde härter, aber seine Stimme blieb beherrscht.
“Wir haben Ihr Schiff bemerkt wie es unerlaubt versucht hat die neutrale Zone zu durchqueren und in romulanisches Hoheitsgebiet einzudringen. Dabei sind wir auf Ihre technischen Probleme aufmerksam geworden, und leider sind wir durch den Ganymed-Act, Paragraphen 2.1 und 2.5 verpflichtet, beschädigten Föderationsschiffen Hilfe zu leisten.”
“Durch was?” rief Jo aus und sah sich hilfesuchend zu Dean um. Aber der zuckte auch nur mit den Schultern.
Das Grauen in Jeans und T-Shirt [Mela Eckenfels]
Ort: USS Longbeard (Das Juwel der Flotte) – Kueche
“Ich werde Sie furchtbar vermissen.” schluchzte es in die Schulter des gigantischen, klingonischen Koches der USS Longbeard – K’YaRT’ash. Dieser klopfte geruehrt auf den Ruecken der Computerhistorikerin, die wie eine seltsame Auszeichnung um seinen Hals hing, die Zehenspitzen fast 20cm ueber dem Erdboden schwebend.
Sie waren ein gutes Team gewesen, wenn es darum ging die Replikatoren der Longbeard dauerhaft zu sabotieren. K-Y musste nur mit der Kaffekanne seines Selbstgekochten wedeln oder ein Lachsbroetchen an der Computerhistorikerin vorbeitragen und sie wurde wie Butter in seinen Haenden. Fuer taeglich drei warme Mahlzeiten, die ihr an die Tastatur geliefert wurden, den Nachmittagskuchen, die redundante Kaffeeversorgung und das gutgefuellte Kuehlschrankfach mit der Aufschrift: “HANDS OFF – Montabaur ONLY” das sie auch nachts mit kaltem Braten oder Pudding versorgte, haette Dr. Dr. Montabaur alles getan, inklusive morden.
Das Sabotieren der Replikatoren war da schon weit einfacher, sorgte dafuer das die ganze USS Longbeard K-Y’s Kochkuenste wuerdigen musste und veranlasste, zu K-Y’s besonderer Freude, die Brueckencrew und die Admiraele, den Kaffeehol.. aeh Ensign Bosley im Viertelstundenrhytmus in die Kueche zu beordern.
Der Hoehepunkt ihrer Zusammenarbeit war das Computervirus gewesen, welches die Bruecke mit biologisch abbaubaren Verpackungschips geflutet hatte. Als Folge dessen hatte sich die gesamte Crew fuer geschlagene drei Wochen nicht mehr getraut einen Replikator auch nur anzusehen.
“Na, na, na.” K-Y pflueckte die Computerhistorikerin von seinem Hals und stellte sie wieder auf die Fuesse. Auch in seinen Augen glitzerte es verdaechtig feucht, als er ihr die tragbare Kuehlbox, mit den Aussenmassen einer Kinderbadewanne, reichte.
“Nur ein paar Kleinigkeiten…” brummte er bevor er die 5 Liter Thermoskanne mit braunem Gold darauf stellte. “… vielleicht haelt es einen halben Tag vor.”
Die Frau mit den wuscheligen Locken zog das leicht verbogene Brillengestell von der Nase und fuhr sich mit dem Aermel des verwaschenen Pullis ueber die feuchten Augen.
“Ist da auch Sushi drin?” ein Funke glomm in den dunklen Augen der Dr.
“Ja da ist auch Sushi drin.” der Stolz in der Stimme des Klingonen war nicht zu ueberhoeren.
“Ich hab auch was fuer dich.” Montabaur laechelte und zog ein gerahmes Bild aus dem hinteren Hosenbund. Es zeigte ein Skelett mit der Unterschrift “I miss your cooking.”
Dann zog sie noch einen Datenkristall aus der Tasche und drueckte ihn dem Koch in die Hand.
“Und das da. Ich hab es etwas umgeschrieben, diesmal wird es die Bruecke unter Schaum setzten.”
Verschwoerische Blicke kreuzten sich.
“Nun denn, ich muss.” Dr. Dr. schulterte einen Rucksack, in dem es verdaechtig nach Technik klapperte, ergriff die Thermoskanne und die Kuehlbox und strebte dem Ausgang der Kueche zu.
An der Tuer hielt sie inne und rief ueber die Schulter: “Ich komme wieder!” Dann war sie verschwunden.
K-Y warf den Braten fuer den Abend in die Kasserolle und grinste:
“Sicher kommst du wieder…”
Stille Nacht schneeige Nacht [Petra Hildebrandt]
Ort: irgendwo im Betaquadranten
Zeit: am Heiligen Abend
“Captain?” Der TAK der USS Palindrom, die das Gebiet rund um das Eisfeld, in dem die USS Victory vernichtet worden war, mit einigen anderen Schiffen absicherte, schaute verunsichert zu seinem Kapt’n, einem gewissen Commander John Cleese.
“Mr. Richards?” Die Augenbrauen des Briten hoben sich kaum merklich. Er mochte es nicht sonderlich, wenn er bei seiner 5-Uhr-Tasse Tee gestoert wurde, und ueblicherweise hielten seine Crewmitglieder diese koenigliche Teepause pietaetvoll ein, ohne ihn mit Nebensaechlichkeiten zu stoeren.
“Sir, ich glaube das moechten Sie sich ansehen…” Lieutenant Richards schaltete das Sensorenbild auf volle Vergroesserung.
In der Naherfassung hatte Richards aus gutem Grund die USS Longbeard, die vor kurzem ‘zu wissenschaftlichen Zwecken’ den Rand des Eisfeldes angeflogen hatte, sowie einen Cluster von 3-4 Eisbergen oder vielmehr -schollen. Das Objekt seiner Begierde war eine Eisscholle von ca. 800 m Kantenlaenge, auf der sich seit kurzem Lebenszeichen tummelten. Zunaechst hatten die Langbaerte eine Schirmfeldkuppel errichtet, um ihre ‘Forschungen’ besser durchfuehren zu koennen, dann diese Kuppel mit Atmosphaere geflutet… und jetzt…
Ort: besagte Eisscholle
Gerry Longbottom-Hijacker blinzelte aus seiner pelzverbraemten Kapuze und senkte den Schlauch der improvisierten Schneekanone tief in das Loch, das er und Bosley fuer eine vorgebliche Kernbohrung ins Innere der Eisscholle gedrillt hatten.
“Weiter rechts,” dirigierte er Crusher, der unbeholfen bei der niedrigen kuenstlichen Schwerkraft ueber die aufgeraute Oberflaeche der Scholle, seine eigenen Fuesse und seine klobigen Stiefel zu stolpern schien und das andere Ende des Schlauchs auf einen langsam aber stetig wachsenden Huegel hielt.
“Dauerts noch lang?”
Eiskristalle sammelten sich auf Bosleys Gesicht, waehrend er das Ende der Schneekanone auf den entstehenden Rodelberg hielt. Seine Finger schienen trotz der Superthermohandschuhe steifgefroren – nicht besonders ueberraschend, beruecksichtigte man die Tatsache, dass sich die Atmosphaere innerhalb der Schrimfeldkuppel gerade mal auf -50 Grad Celsius erhoeht hatte seit Beginn der Aktion. Mit zusammengepressten Augen musterte er den Huegel vor sich durch seine Schneebrille. “Wir sollten es bald…” dann stolperte er ueber seine Fuesse und schlug der Laenge nach in den Schneehaufen vor sich, der sich in einer schillernden Wolke erhob, als weisses Glittern und Schwirren langsam wieder herniedersank und den jungen Crusher schliesslich komplett unter sich begrub. Bosley prustete protestierend und wuehlte sich langsam aus dem Schneeberg hervor, was wegen der geringen Schwerkraft gar nicht so einfach war. Warum mussten sie auch unbedingt einen Rodelberg fuer Josh Ranun hier aufschuetten? Dennoch war hier die Schneekanone bedienen eine erheblich besser Wahl als K-Y beim Weihnachtsbaum-Aufstellen zu helfen… aber das Schicksal hatte kein Einsehen.
Ort: USS Palindrom, Bruecke
Zeit: wenig spaeter
Mit grossen Augen starrte Cleese auf seinen Panoramabildschirm. In der Erfassung der Sonde, die sein TAK sicherheitshalber zur Ueberwachung in das atmosphaerische Schirmfeld der Eisscholle geschosen hatte, bot sich ein zwerchfellerschuetterndes Bild.
Ein riesenhafter Klingone in leuchtend roter Montur mit weissen Pelzraendern an der grossen Pudelmuetze und den Aermelaufschlaegen seines Thermomantels schleppte einen Weihnachtsbaum der knapp dreimal so hoch war wie er selbst, ueber die Eisscholle, im Schlepptau eine kleine stolpernde Gestalt mit einem Sack ueber der Schulter. Schliesslich verharrte die weihnachtsmannaehnliche Gestalt, woraufhin der Kleinere prompt mitten in die Konifere stuerzte, und sah sich um.
“Haben wir Audio?” wollte Cmdr. Cleese wissen. Hektisch huschten die Finger von Richards ueber die Konsole, dann kam leise und verrauscht eine Stimme aus den Lautsprechern.
['-- hab Dich mal nicht so, Jungchen'] ein lautes Platschen das mit der Hand des Klingonen auf dem verlaengerten Rueckgrat seines Begleiters korrespondierte und ebenjenen zwei Meter weiter nach vorn befoerderte, ['die Stelle ist perfekt.']
Der Weihnachtsmann – Cleese beschloss ihn in Ermangelung genauerer Informationen so zu benamsen – wuchtete den Baum in eine aufrechte Position und versenkte ihn schliesslich langsam in ein offenbar dafuer vorbereitetes Loch. Dann rueckte er mal hier, mal da, bis die Tanne die gewuenschte lotrechte Ausrichtung hatte. ['Q'a pla! und nun wird geschmueckt.']
(Aber das ist doch viel zu hoch,’] lautete die weinerliche Antwort.
['Papperlapapp, Du steigst natuerlich auf meine Schultern.'] Und so nahmen die Dinge ihren Lauf…
Ort: auf der Eisscholle
Zeit: zwei Stunden spaeter
Missmutig betrachtete Dr. Dr. Kuballa den in rotgoldenem Glittern und Glaenzen erstrahlenden Weihnachtsbaum vor sich. Haette sich die Admiralitaet nicht einen _etwas_ waermeren Platz fuer die Weihnachtsfeier aussuchen koennen? Die paar – _echten_ Kerzen an dem Baum waermten jedenfalls nicht wirklich. Was haette sie fuer ein Kaminfeuer gegeben. Aber den Herren Admirals war offenbar warm… sie beobachtete Josh Ranun, der mit dem Strahlen eines Kindes den schneeberg hinaufstapfte. Oben angekommen reichte er K-Y, der dort wartete, ein Paket.
Der Klingone nahm das Buendel, wickelte es aus, setzte es an die Lippen und begann zu pusten.Und langsam nach und nach, entfaltete sich das Buendel und wurde zu einem aufblasbaren Schlitten in Form einer abgeflachten Voodoo-Class. Im Grunde war es eine Luftmatratze, aber fuer diesen Zweck ebenso tauglich.
Freundlich reichte K-Y Josh die Voodoo, auf die dieser sich baeuchlings draufwarf und mit einem Jauchzen den Schneeberg hinabschlidderte. Diese Pensionaere… kopfschuettelnd nahm Elisabeth noch einen weiteren Schluck von dem klingonischen Punsch. Aber Holla! Das Zeug hatte es in sich – und waermte wunderpraechtig.
Izumi Nagashitu trug grazioes ihre Ski den Berg hinan, unterdes Bosley, von seinen Stuerzen von der Tanne bzw K-Ys Schultern wieder etwa genesen, Tabletts umhertrug zwischen denen, die es sich hier auf einem improvisierten Holzdeck bequem gemacht hatten und den Ausblick auf gleissendes Eis und Schnees genossen.
Perrin Alba von Kerolan nippte gelassen an einem Glas wahrhaft eisgekuehlten ympianischen Wodkas.
“Endlich mal eine angemessene Weihnachtsumgebung,” meinte Gerry. “Diese ewigen Poolparties hingen mir wirklich zum Hals raus. Obwohl die Rocky Mountains um diese Jahreszeit auch nicht zu verachten sind…”
“Und gleich ist die Bescherung.” erklaerte Jo ‘Doc’ Snyder lautstark ueber den Rand eines Bechers klingonischen Punsch hinweg.
“Beschneidung? Isses dafuer nicht ein bisschen kalt?” Getaille starrte den Captain unglaeubig an. “Und ein bisschen oeffentlich?”
“WEIH-NACHTS_GE-SCHEN-KE” bruellte Snyder dem Vizeadmiral ins Ohr.
“Nun schrei mal nicht gleich so ich bin ja nicht schwerhoerig.” protestierte Getaille, “haben wir denn ueberhaupt Geschenke eingekauft? Und ich dachte Admiral Teryn und K’Phor kommen auch zur Weihnachtsfeier – wo stecken die denn dieses Jahr bloss?” Fasziniert sah er zu, wie Dalos Polar, der andorianische Ingenieur, aus einer Schneeverwehung hervorlugte – eigentlich sah man nur seine ‘Antennen’ auf dem Kopf und die Schneeverwehung war die Spaetfolge eines bowlingkugelgrossen Schneeballs, den K-Y auf den Andorianer abgefeuert hatte…
“Eine Schneeballschlacht!” Dean McRight sprang auf um sich in das Getuemmel zu stuerzen.
Schnee und Rodel gut [Stephan Kornberger]
Feriim Seleas lies sich das natürlich nicht zweimal sagen. Hocherfreut warf er sich in die Schlacht. Und da er sich ein wenig – nur ein wenig! – schneller bewegen konnte als die anderen war der Erfolg auf seiner Seite.
Nach kurzer Zeit versuchte er Adm. Getaille ins Feld der Ehre zu ziehen, aber ebenso gut hätte eine Makrele versuchen können einen Wal abzuschleppen.
“Isch bitte sie, mon ami, lasse sie misch aus diese Spiel!” – “Dann kommen sie aber ab jetzt wieder regelmäßig zur Gymnastik, Admiral!” -
“Oui, oui, isch werde keine Termin mehr verpassen.” wimmelte er den Trainer ab.
Feriim entfernte sich und Getaille murmelte verdrießlich: “Merde, c’est la merde!”
In der Zwischenzeit hatte Elisabeth Kuballa den von Josh Ranun nun nicht mehr beachteten, …ähh…, Schlitten entführt und stapfte Richtung Gipfel. Ein bisschen Bewegung sorgt schließlich eher für Wärme als Schnee im Nacken.
Ein wenig außer Puste betrachtete sie die Gesellschaft unter sich.
Während die Alten herumtollten wie Kinder nach 8 Stunden Schule, sahen die meisten Besatzungsmitglieder eher entgeistert aus, so als erwarteten sie noch unvorstellbare Steigerungen des Ganzen Chaos. Souverän über allem thronte K’YaRT’ash hinter seiner Gulaschkanone voll Punsch und schenkte beherzt das gute Zeug aus, genauso wie er ihm zusprach.
Sie freute sich unglaublich hier zu sein, auf einer Eisscholle irgendwo im Nirgendwo, in den Tiefen des Alls, anstatt zu Hause zu sitzen und entweder den Fernseher oder die Wand anzuglotzen. // Zu Hause, was heißt das schon? Hier ist mein zu Hause und das ist verdammt gut so!//
Dann besah sie sich den Schlitten. War ziemlich lange her, dass sie so unterwegs war, damals auf der Halde hinterm Kanal…
Mit “Freie Bahn, Marzipan!” stürzte sie sich auf die Voodooclass und mit Schmackes gings bergab.
Kaum war sie auf dem Weg und genoss die steigende Geschwindigkeit, erscholl von unten der Ruf: “Die Doktersche!” und alle Kombattanten wandten sich ihr zu. Da sie inzwischen gut eingeworfen waren flogen ihr alsbald die Schneebälle um die Ohren, so dass sie sich mit Macht zur Seite warf. Damit wich sie den Spielkindern aus und raste stattdessen auf Admiral Getaille zu. Als sie dies jedoch bemerkte war es schon zu spät und nach einem Krachen-Überschlagen-Schneegestöber fand sie sich auf dem voluminösen Bauch des rücklings liegenden Franzosen sitzend wieder. Der hob den Kopf, sah sie an, sagte: “Mon Dieux!” und liess ihn
kopfschüttelnd wieder zurücksinken. Ein Lachen unterdrückend stand sie auf und gab den Hinzugelaufenen damit Gelegenheit dem Admiral auf die Beine zu helfen. Gut, dass der Admiral genug Polster für sie beide hatte.
Plötzlich fuhr ihre Hand zum Kopf. “Oh, ich habe meine Brille verloren. Sie muss hier irgendwo liegen.”
“Bosley!” rief Gerry Longbottom-Hijacker stante pede, “Suchen Sie die Brille von Dr. Kuballa, aber zackich.”
“Nein, bitte nicht Bosley Crusher, hat denn keiner einen Scanner zur Hand?” – “Ja, stimmt, er ist ein Penner vom Land, aber immerhin strengt er sich an. Ich finde sie sollten ihm eine Chance geben, grade sie als Psychologin.” – “Ich fragte ob sie einen SCANNER zur Hand haben.” – “Madame, wofür halten sie mich, schließlich bin ich Ingenieur.”
Damit reichte er ihr seinen Lieblingsscanner, ein erstaunlich gut gepflegtes Vorkriegsmodell. (Wobei der zugehörige Krieg schon länger zurücklag…)
Elisabeth drehte sich im Kreis und rief dann: “Ahh, da vorne links von der Tanne.” Sie wollte grade los, aber Gerry hielt sie zurück.
“Bosley, haben Sie gehört? Beeilen Sie sich ein wenig.”
Da Ens. Crusher keine Lust darauf hatte beim nächsten Maschinenraumeinsatz wieder extra getriezt zu werden, gab er alles, was seine kurzen Beine hergaben. Die Counsellor schlug beide Hände vors Gesicht, als er stolperte und den angezeigten Ort mit dem Kopf zuerst erreichte.
Aber Wunder über Wunder, der Brille war nichts geschehen. Bosley grub sie aus der Verwehung und brachte sie hinüber.
Elisabeth nahm sie mit einem warmherzigen “Danke, Mr. Crusher.” entgegen.
Bosley lächelte kurz verwirrt, so freundlich war er hier an Bord noch selten behandelt worden, doch bevor er seiner Freude Ausdruck geben konnte erscholl K-Ys Ruf: “Bosley, die Gläser gehen zur Neige, wird Zeit, dass du weiter spülst.” und er trollte sich.
Später am Abend gesellte sie sich zu K-Y und versuchte ihm das Rezept für seinen Punsch aus der Nase zu ziehen. Die beiden kamen eigentlich gut miteinander zurecht. Er fand, dass sie zu dürr war und hob ihr immer die besten Sachen auf. Sie lobte seine Küche logischerweise in den höchsten Tönen, weigerte sich allerdings zuzunehmen.
Wie um sich dafür zu rächen weigerte sich der Koch ihr sein Geheimnis zu verraten. Sie schmeichelte, bat, lobte, flehte, versprach – alles ohne Erfolg. Und da ihr dies herrliche Gesöff nicht im mindesten etwas auszumachen schien, beschloss sie den Klingonen unter den Tisch zu saufen. Sollte er mal sehen was es hieß sich mit einer Kuballa anzulegen.
“Wenn ich ihnen meine Geheimnisse verrate, dann machen Sie hinterher all die leckeren Sachen selber und ich bekomme Sie nicht mehr zu Gesicht, geschweige dass ich Sie noch verwöhnen darf, Dr. Kuballa.” sagte er um Verständnis heischend.
“Ach, K-Y, du kannst auch einfach Lisbeth zu mir sagen…”
Als sie am nächsten Morgen unter fürchterlichen Schmerzen erwachte konnte sie sich nur noch dunkel daran erinnern auf K-Ys Schoß gesessen und mit ihm klingonische Kampflieder gegrölt zu haben…
Gaaanz vorsichtig machte sie sich auf den Weg zum Doc, immer darauf bedacht, ihren Kopf nicht runterfallen zu lassen.
Kotau [Stephan Kornberger]
Ort: USS Longbeard
Zeit: Während des Eklats
Gerry Longbottom-Hijacker war froh, dass sie endlich im Emion-System angelangt waren. Während sich Doc Snyder und Dean McRight auf der Brücke Notfallpläne ausdachten, wie die gute, alte Longbeard im Fall des Falles die paar anwesenden Kriegsschiffe mit einem Überraschungsangriff unschädlich machen würde – Pläne, die die Beiden glücklicherweise sofort wieder vergaßen -, wandte sich er sich einmal mehr den Replikatoren zu.
Nicht, dass er etwas gegen K’YaRT’ash’ Küchenkünste einzuwenden hätte, aber ab und zu trank er bei der Arbeit ganz gerne einen Kaffee. Und jedesmal, wenn er Bosley Crusher in die Küche schickte, kam der Kaffee entweder überhaupt nicht – manchmal machte er sich wirklich Sorgen um das Gedächtnis des jungen Ensign – oder kalt, dafür aber die Hälfte verschüttet.
Zur gleichen Zeit klopfte es hektisch an der Tür des Quartieres von Dr. Dr. Elisabeth Kuballa. Sie rief “Herein!” und ein trat eben jener Bosley Crusher.
“Dr. Kuballa,” rief Bosley völlig abgehetzt, “Commander Longbottom-Hijacker repliziert mal wieder die Reparatoren!”
Er sah das verwirrte Gesicht der Psychologin, ging im Geiste nochmal seinen letzten Satz durch und revidierte: “Ähh, ich meine, er repariert die Replikatoren!”
“Oh Scheiße. Hat K’YaRT’ash das schon mitbekommen?”
“Bis jetzt noch nicht, aber…”
“…lange kann das ja nicht dauern.” beendete sie seinen Satz, stand auf, lief Richtung Tür und fing Bosley auf, der im Umdrehen gegen den Türrahmen gelaufen war.
“Vorsicht, mein Junge. Ich geh vor.” Sie stand vor ihrem Quartier und kuckte unschlüssig umher. “Vielleicht gehst du doch besser vor, Bosley, du hast mir ja schließlich nicht gesagt, wo Gerry grad ist.”
Außerdem war sie sich gar nicht so sicher in welcher Richtung es zum Maschinenraum ging. Die wichtigsten Wege kannte sie zwar inzwischen, zum Pool, zum Kaminzimmer und zur Küche, aber dieses Schiff war eben enorm groß und alle Gänge sahen gleich aus.
Im Maschinenraum sahen sie von Longbottom-Hijacker nur die Beine, der Rest steckte im Unterteil des Replikators. Das hoffte Lisbeth zumindest und bückte sich, um einen Blick auf des Rest des 2O zu werfen. Dabei stellte sie mal wieder fest, dass das Krachen im Rücken immer besser wurde, seit sie jeden Tag ihre Runden schwimmen konnte.
Auch der Rest von Gerry war gottseidank noch da und zu dem sagte sie: “Kommen Sie da lieber raus, Commander, wenn der Koch das mitkriegt, werden Sie ihn bald hier sehen.”
Er hob den Kopf, vermied aus alter Gewohnheit eine Beule und antwortete:
“Hallo Dr. Kuballa, natürlich sieht man alt aus, wenn man in diesem Loch rumliegt. Das macht das grünliche Licht hier unten drin. Reichen Sie mir bitte mal die Quantendispersionsrädelzange?”
“Gerne.” Sie blickte auf dem Tisch umher, sah aber nichts, auf das die Beschreibung passte. Bosley deutete auf ein Werkzeug, sie nickte dankend und gab Gerry das Teil.
“Danke, aber das ist keine…” er hob es näher an die Augen und betrachtete es von allen Seiten. “Oh, das ist sie doch. Da hat Bosley ja mal ganze Arbeit geleistet. Würd mich ja mal interessieren, wie er den Rost da runter bekommen hat.”
Bosley lief zart rosa an. “Mit nem Dremel-Multi-tool mit ganz grobem Schleifkopf.” erklärte er leicht verlegen, “Dabei wurde das Teil fast nur noch vom Rost zusammengehalten!”
In dem Moment hörten sie schwere, wütende Schritte den Gang entlang auf sich zustapfen. Wutschnaubend stürmte K’YaRT’ash den Maschinenraum, wie zufällig sein gutes Ausbeinmesser in der Hand haltend.
“Wer ist hier mit meiner Küche nicht zufrieden?”
Lisbeth stellte sich ihm in den Weg. “Hallo K’YaRT’ash, wie kommst du denn darauf, dass hier jemand was gegen deine Kochkünste hat? Du weisst doch genau, dass ich sehr große Stücke auf dich und deine Küche halte, und Bosley hier arbeitet auch lieber bei dir als im Maschinenraum.”
Obwohl das genaugenommen eher das Gegenteil der Wahrheit war, schluckte Bosley nur und nickte beflissen.
“Und was macht dieser, dieser Verräter von einem Ingenieur in den Eingeweiden dieses Replikators?” donnerte der Klingone, nicht im mindesten beruhigt.
In diesem Augenblick hörten sie etwas brechen, das Sprühen einiger hochenergetischer Funken, einen sich nach Beule anhörenden dumpfen Schlag und: “Verdammte Scheiße! Holt mir diesen Crusher her!”
“Ich würde sagen, er flucht.” erklärte Lisbeth ihrem Lieblingskoch, während Gerry aus dem Schrank kletterte. Mit überraschender Behendigkeit sprang er auf und wedelte mit der halbierten Quantendispersionsrändelzange vor Bosleys Augen herum.
“Kuck dir das an, Bosley! Du hast dieses Präzisionswerkzeug kaputtgeputzt! Dabei war es so gut wie neu.” – “Ich schätze, es war einfach zu alt, Commander.” wagte Bosley zaghaft einzuwenden.
“Zu alt?” Seine Stimme überschlug sich fast. “Es war noch genau so gut wie damals, als mein Großvater seine Akademieprüfung damit abgelegt hat!”
["Nein. Nein und nochmals nein.]
widersprach hinter ihm eine Frauenstimme. Gerry fuhr erschreckt herum.
[Botschafter Marak, wer ist hier der Lügner? Ich, die ich behaupte, dass Sie und Rano Voti Busenfreunde sind?]
tönte es, wie sie verwundert feststellten aus dem Replikator. Sprachlos sahen sie sich an und hörten zu.
[Wollen Sie das leugnen? Und dass Rano Voti der engste Freund un Berater des Präsidenten ist? Ist das eine Lüge? Nein! Das ist ein ganz einfacher Syllogismus. Oder anders ausgedrückt eine Transitivität. Punkt.]
“Ich glaube, das ist die romulanische Botschafterin!” flüsterte Bosley.
Alle schauten ihn verdutzt an. “Hmm, der Akzent würde hinkommen.” pflichtete Lisbeth leise bei.
[Und eines, Herr Marak, sollten ein Cardassianer nie in den Mund nehmen, nämlich über den Treuebruch eines anderen sprechen. Wer ist der der Agressor im Sep'tarin-Krieg gewesen? Wer?]
Sie schlossen eine stille Übereinkunft. Das hier war viel zu interessant, um sich zu fragen, ob das erlaubt war.
[Vielleicht sollte ich mich ebenso wie Sie ganz großartig an das Publikum hier wenden. Der Agressor war der, der jetzt am eifrigsten die Fahne der Verständigung und des Friedens schwenkt. Und warum tut er das? Aus Einsicht vielleicht?
Das ist ja so lächerlich! Cardassia hat den Krieg verloren. Und ja, dank der Friedfertigkeit und Verständigungsbereitschaft der Föderation, die ich hier nicht kleinreden will, hat Cardassia die selbstverschuldete Niederlage überlebt. Den Krieg hat Cardassia verloren, jetzt versucht es den Frieden zu gewinnen. Frei nach dem Motto: Wen Du Deinen Feind nicht besiegen kannst, verbünde Dich mit ihm'. Welch ein Wunder nun, dass es jetzt um die Freundschaft buhlt. So sehr buhlt, dass es sogar persönliche Freundschaften zum Präsidenten ausnutzt.]
“Bosley, hol doch bitte ein paar Stühle.” wandte sich Lisbeth in einer rhetorischen Pause an den Ensign. Mit einem Flunsch machte er sich auf die Suche.
“Und bring aus der Küche Kaffee und Kuchen mit.” rief K’YaRT’ash hinterher.
Als der Koch sich wieder dem Replikator zuwandte sah er die besorgten Gesichter von Gerry und Elisabeth. “Was ist?”
“Bosley…” antworteten beide wie aus einem Mund. Der Klingone fuhr kerzengrade auf und alle Farbe wich aus seinem Gesicht. “…allein in meiner Küche!” Panik war in seiner Stimme auszumachen. Stante pede wetzte er hinter dem Ensign her.
Deshalb konnten sie den Rest der Verhandlung in aller Ruhe bei Kaffee und Kuchen verfolgen.
Ort: Arboretum, USS Diplomacy
Marak blickte gedankenverloren in den Sonnenuntergang, als er hinter sich Schritte hörte. Er blickte sich um und sah eine Lt. der Sternenflotte auf sich zukommen, eine hochaufgeschossene, dürre Frau, die anscheinend im Dienst der Flotte alt geworden war.
“Botschafter Marak?” – “Mit wem habe ich die Ehre?”
“Elisabeth Kuballa, Counselor auf der Longbeard. Ich möchte ihnen meine Bewunderung für ihre diplomatische Geduld und ihren Langmut ausdrücken.”
Sie blicktesich vorsichtig um, um sich zu versichern, dass sie alleine waren. “Wir haben die letzten Verhandlungen verfolgt und sind einstimmig zu dem Schluss gekommen, wenn die Romulanerin unserer Regierung solche Absichten unterstellt hätte, hätten wir sie achtkantig aus der Luftschleuse geworfen.”
“Woher wissen sie davon?” fragte Laron erschreckt.
“Sie würden es mir doch nicht glauben, Botschafter”
“Ich werde mich bemühen.” sagte er lächelnd.
Sie musste dreimal ansetzen, zu blöd klang es in ihrem geistigen Ohr.
“Wir haben es im Replikator gehört.”
Marak war wirklich Diplomat durch und durch und so verlor er sein versonnenes Lächeln nicht, als er zugab: “Sie haben recht gehabt.”
“Nun denn, ich wünsche ihnen für die weiteren Verhandlungen alles gute.”
Damit wandte sie sich zum Gehen.
Sehnsucht [Carsten Jaecker]
Sternzeit: 80415.1823
Szene: Maschinenraum der USS Longbeard, dem schoensten und stolzesten Schiff der Sternenflotte … anno 2140.
Der stellvertretende Chefingenieur der Longbeard, der 42jaehrige Andorianer Dalos Polar, kam in den Maschinenraum rein und musste stutzen. War das nicht… ja! Wieso sass Gerry Longbottom-Hijacker dort auf der Stufe und hatte seinen Kopf mit einem Arm auf sein Knie gestuetzt.
“Sir? Was.. ist irgendwas?”
“Nein, ich hab absolut keinen Spass, ich bin schlecht drauf.” grummelte Gerry.
“Oh. Das ist uebel, Sir. Darf ich fragen, was es ist, das ihre Stimmung vermieste?”
“Was? Sprechen Sie was lauter, Dalos.”
“Verzeihnung, Sir, ich…”
“Was?”
“ICH WOLLTE WISSEN, WAS SIE HABEN, SIR!”
“Sagte ich doch schon, ich bin schlecht drauf.”
Der Andorianer rollte die Augen. “UND WARUM, SIR?”
“Weil… “Gerry spielte mit einem Ural-Schraubenschluessel Marke “Ich hau Dich tot” an seinen Schuhen rum, “weil…. weil mir die Montabaur fehlt.”
“Was? Die alte Schachtel fehlt Ihnen?”
“Hee, sie ist keine alte Schachtel, ja? Das will ich nicht gehoert haben.”
Gerry drohte mit dem Schraubenschluessel. “Das nehmen Sie zurueck!”
//Sowas hoert der, Tss…// “Ich nehme es zurueck, Sir.”
“Ich bin kein Drueckser, ja! Und was soll das ueberhaupt sein?”
“ICH NEHM ES ZURUECK, SIR.”
“Ah, sagen Sie das doch gleich.”
“Darf ich einen Vorschlag machen, Sir?”
“Sicherlich!”
“Wie waere es, wenn Sie ihr einen Brief schreiben?”
“Mich in ihrem Mief weiden? Naja, eigentlich keine schlechte Idee, wobei…”
“BRIEF SCHREIBEN!”
“Achso. Ja, Eigentlich keine schlechte Idee! Danke, ich werd das gleich mal machen.”
“Der Andorianer nickte dem Commander zu und und fing an, an einer Konsole rumzutippern.
“Aeh, haben Sie hier noch viel zu tun, Lt.?”
“Meine Schicht hat gerade erst begonnen, Sir?!”
“Achso… naja… sie koennten nach dem Replikator im Casino schaun, der ist mal wieder hinueber.”
“Wollten Sie das nicht machen, Sir?”
“Genau, bei diesem Drachen von einem Koch. Gehn Sie nur hin, der beisst nicht.”
Dalos nickte nur stumm. Jede weitere Diskussion schien hier ueberfluessig zu sein. Also nahm der stv. CING ein Repairset und verliess den Maschinenraum in Richtung Casino.
Als der Andorianer den Raum verlassen hatt, ging der 2O und CING der Longbeard zu einem Terminal und setzte sich hin.
“So, mal sehn.” Er nahm eine altertuemliche PC-Tastatur hervor und fing an, darauf rumzutippern.
Liebe Dr. Dr. Montabaur,
wie geht es Ihnen? ich hoffe doch sehr gut! Wir waren letztens mal wieder
fast in Ihrer Naehe, denn die Longbeard sollte als diplomatisches Schutzschiff die USS Diplomacy begleiten, die einen Konflikt, die diese… diese.. diese Dingern betraf, schlichten sollte. Cpt. Snyder hat ausserdem seine zweite Herz-Op erfolgreich hinter sich gebracht; Cmdr. McRight hat ein neues kuenstliches Hueftgelenk bekommen. Und mir wollten sie wieder eine Gehoer-OP andrehen, aber ich habe mich geweigert. Warum auch? Wenn die alle so leise sprechen…
Haben Sie mittlerweile das Asus-Bord 686 gefunden, das Sie gesucht haben?
Ich musste neulich an der Kommunikationssoftware ein wenig herumfummeln, weil ein Reset vonnoeten war, und was soll ich Ihnen sagen? Ich fand in einem Unterprogramm ein Programm namens ICQ 2200! Und es funktioniert noch!
Sollten Sie also tatsaechlich ebenfalls ein solches Programm haben oder ein Aequivalentes, koennen wir gerne mal miteinander auf diesem Wege kommunizieren!
So, ich werd dann mal wieder an die Arbeit gehen. Ich faends schoen, wenn wir uns mal wiedersehen koennten! Wir koennten dann zusammen Kaffee trinken… zumindest, wenn dieser trottelige Bosley endlich wieder von der Krankenstation runter ist.. tss. Sowas! Verbruehungen dritten Grades, sagt Snyder. Naja.
Admiralissimo [Petra Hildebrandt]
*Heute neu auf allen Bildschirmen, in ausgewaehlten Holodecks und-salons praesentieren wir Ihnen die neue Lifestyle-Show, ‘Admiralissimo’ – kochen mit Admirals, live von Bord der USS Longbeard. Gaststar heute ist Marc Olivie Getaille, ehemaliger Kadkom und Komad-XO. Wir wuenschen Bon Appétit…*
Stahloberflaechen an allen Orten, einen in dunkelgraue Arbeitskleidung und strahlendweisse Kochschuerze gekleideten Klingonen, der ein riesenhaftes Messer in einer Hand haelt, daneben ein leicht aufgedunsener Mann Anfang fuenfzig, mit etwas wirrem Haar, der versucht, sich eine hellblaue Kochschuerze mit UFP-Logo umzuwickeln, daran aber scheitert.
“Und was haben Sie mir mitgebracht, Admiral?”
“Ich ‘abe mir gedacht wir machen eine saisonale Sache, ein bisschen was Fruehlingshaftes,” erklaerte Marc Olivier gutgelaunt, “eine Erdbeerbowle. Das war frueher, als meine Frau und ich jung verheiratet waren, immer so etwas wie das Einlaeuten des Sommers, eine erste Bowle mit einem Fest im Garten, wo die Kinder draussen spielen konnten.”
Waehrend K’YaRT’ash mit der Andeutung eines Laechelns und mit einem unterarmlangen Messer kleine, leuchtend rote, wohl geformte Erdbeeren halbierte, erkundigte er sich: “Haben Sie und Ihre Frau viel zu Hause gekocht?”
“Oh aber natuerlich,” Getaille schichtete die Erdbeerhaelften, “ich nehme dafuer etwa 750 g,” in ein Bowlengefaess und goss aus einer Karaffe etwa ein halbes Wasserglas Erdbeerlikoer darueber, “gutes Essen ist doch ein Teil der Lebenskultur, etwas, das wir auch unseren Kindern mitgeben muessen. Das kommt ja sowieso bei der Sternenflotte mit ihrem Replikatoressen etwas zu kurz.”
Damit rannte Getaille bei dem Klingonen natuerlich offene Tueren ein.
“Nicht nur bei der Sternenflotte. Obwohl Klingonen ja generell frische und lebende Nahrung vorziehen, ist auch im Reich Convenience Food, besonders bei der Flotte, auf dem Vormarsch.” Ein Kopfschuetteln begleitete die Aussage. “Die Bowle muss jetzt wie lang durchziehen?”
“Eine halbe Stunde, dann kommt noch ein Flaeschchen Wein und eine bouteille eiskalter Sekt oder Champagne dazu – ich mag ja recht gern den rosefarbenen aus dem Jurá. Ich habe uns aber auch noch etwas zu trinken mitgebracht,” der dickliche Mann schob das Bowlengefaess mit viel Schwung in den ‘kleinen’ Kuehlschrank (im Gegensatz zu der riesigen Kuehlzelle, die sich an die Kombuese der Longbeard anschloss war das mit einer semitransparenten Duraniumtuer versehene, knapp 4 Kubikmeter umfassende tatsaechlich klein). Mit einer Behendigkeit, die man dem Belgier gar nicht zutraute, wand sich dieser um eine Arbeitsplatte, tauchte kurz nach unten ab und kam mit triumphierendem Laecheln und einer grossen Weinflasche wieder zum Vorschein.
“Ich hole uns mal zwei Glaeser…” Die Ballonglaeser, die K-Y ausgewaehlt hatte, waren nicht gaenzlich zufaellig in den grossen Pranken des Klingonen aufgetaucht, schliesslich war die Vorliebe des Admirals fuer schwere Rotweine kein Geheimnis.
Und richtig…
“Also, es gibt ja schon schoene Weine… aber es muss nicht immer ein Bordeaux sein, n’est-ce pas? Die sind eigentlich voellig ueberbewertet und man kann sie sich kaum leisten, wenn sie denn ueberhaupt zu bekommen sind.”
K’YaRT’ash verkniff sich einen Kommentar zur Zahlungsfaehigkeit von Komad-XOs a.D. und erkundigte sich stattdessen hoeflich:
“Was haben Sie denn Feines mitgebracht?” Ob die Hoeflichkeit auf das wilde Herumfuchteln des Regisseurs auf der anderen Seite der Kueche hinter der Holocam zurueckzufuehren war oder darauf, dass es dem Bordkoch gerade wieder einmal gelungen war, Bosley Crusher einen zaertlichen klingonischen Klaps auf den runden Po zu verpassen, der den jungen Burschen mit reichlich Antrieb durch die Kueche schoss, gefolgt von einem “bring noch Baguette mit, Bos”, bleibt auf ewig das Geheimnis der Langbart.
“Einen Chateau Belingard, aus dem Bergerac, 2392, ‘at mir ein guter Freund, der mit mir Soziologie studiert hat in Paris, vermacht. Eigentlich nicht mehr zu haben, er betreibt den Weinbau als ‘obby und versieht mich ab und zu mit einem kleinen Troepfchen…”
Waehrend Getaille fachmaennisch vor den Holoaufzeichnungsgeraeten die Flasche entkorkte und dabei leise vor sich hinmurmelte, dass ein solches Kleinod ja eigentlich ein paar Stunden Luft brauche, bereitete der Koch sein Gericht vor.
“Passend zu der fruehlingshaften Bowle von Monsieur Getaille bereiten wir heute Holunderkuechlein zu,” sagte er in die Aufnahmeoptik, ehe er von Getaille ein halb gefuelltes Glas annahm und an der tief dunkelrotblauen Fluessigkeit schnupperte.
Der Kameramann, ein zierlicher Halbcardassianer, tat sein bestes um die beiden Maenner zusammen mit der Optik zu erfassen – es war schwer zu sagen wer massiver wirkte, der klingonische Koch oder der belgische Bonvivant.
Anerkennend hob K-Y die Augenbrauen und damit seine Stirnplatten, als er einen Schluck des Rebenblutes nahm.
“Nicht wahr?” Marc Olivier sprach dem Wein gut zu und hatte in wenigen Augenblicken sein fast randvolles Glas bereits geleert, was sich in einer sachten Roetung seiner vollen Wangen abbildete.
“Maman pfleget immer zu sagen *erinnert mich an das Hochgehen des Vorhangs bei einer Premiere, wenn nur Gott allein weiss, was uns da erwartet*.”
“War das nicht eher Francois Maurica?” wandte K-Y ein und schuettelte 16 makellose Holunderblueten von den letzten Troepfchen des Morgentaus trocken.
“Jamais. Was genau tun Sie damit?” Der Belgier versenkte seine Nase abwechselnd in eine der duftenden Blueten und in sein Weinglas.
“Aus einem Viertel Liter Bier, 2 Essloeffeln Zucker oder auch drei,” der Koch listete beim Ruehren die Zutaten auf, “einer Prise Salz, 2-3 Essloeffeln Oel, 250 g Mehl und zwei frischen Eiern ruehre ich einen Ausbackteig.”
“Frische Eier? Haben wir ‘uehner an Bord der Longbeard? Oder sind die repliziert?”
“Berufsgeheimnis,” ein finsterer Blick sollte den Belgier verstummen lassen, aber der liess sich nicht bremsen:
“Ueberhaupt ist die Versorgung mit Lebensmitteln ja nicht ganz einfach, wie machen Sie das eigentlich? ”
“Ich hab da so meine Quellen,” wich der Koch aus und schoss diesmal einen Blick auf den eingeschuechtert dreinschauenden jungen Crusher ab.
“Bosley, bring Kaffee zur Bruecke. Also, die Holunderblueten werden gut gewaschen und das Wasser abgeschuettelt. Dann verruehren wir das Bier mit Zucker, Salz, Eigelb und Oel und mischen nach und nach das Mehl unter. Koennten Sie schonmal das Eiweiss steif schlagen, Admiral?”
“Naturellement.” Getaille bewies seine Geschicklichkeit im Umgang mit rohen Eiern (trennen) und elektrischen Schlagbesen und hatte – unter Verzehr einiger weiterer Schlucke Rotwein – alsbald einen festen Eischnee gezaubert.
“Den heben wir jetzt unter den Teig.” kuendigte K-Y an.
“Sollten wir nicht die Bowle aufgiessen und probieren? Beziehungsweise wir ‘aben da ja eine vorbereitet.” Ohne eine Antwort abzuwarten – immerhin war der ex-KADKOM selbstaendiges Arbeiten gewoehnt – verschwand Getaille, der kurz fuer die Kamera unterhalb des Admirals-Level-5-Sweatshirts eine hellgraue Sternenflottentrainingshose sichtbar machte, die sich um sein wohlgerundeten Hueften schmiegte – in der Kuehlzelle und kam einen Moment spaeter mit einer riesengrossen goldfischglasaehnlichen Bowlenkugel wieder.
“Fehlt nur noch le champagne…” ein Tatbestand, dem Getaille umgehend mit zwei Flaschen besagten Rosé-Sektes aus dem Jura abhalf.
“Moechte jemand? Delizioes,” eine erste Kostprobe brachte seinen gruenen Augen noch etwas mehr zum Leuchten und gluecklich schwang der Admiral sein betrainingshostes Sitzfleisch auf die Arbeitsflaeche neben K-Ys Bierteig.
Der Koch der Longbeard lies sich nicht beirren. “Man haelt die Bluete am Stiel, zieht sie kurz durch den Teig,” er demonstrierte das fuer die auf ihn zoomende Kamera, indes ein Regieassistent leise aber eindringlich auf Getaille einredete und ihn schliesslich mit dem Wegnehmen der Bowlentasse dazu bringen konnte, sich wieder _hinter_ die Arbeitsflaeche zu stellen, “so dass jede einzelne kleine Bluete zaertlich von Teig umhuellt wird.” Auch ein Klingone konnte poetisch werden – wenn es ums Kochen ging.
“Und nun braten wir das ganze in heissem Fett goldbraun aus und bestaeuben es mit einem Hauch Puderzucker.”
Mit spitzen Fingern griff der Koch fast direkt in das Fritierfett, was den Mitgliedern des TV-Teams ein Aufstoehnen entlockte, und befoerderte eine der ausgebackenen Blueten auf eine mit rotem Sumachpulver ausgestreuten grossen Teller.
“Moechten Sie kosten?”
“Hm.. pffffff.” Die eilig zum Mund gefuehrte Gabel flog in hohem Bogen ueber die Arbeitsflaeche. Der Senior-Admiral hatte sich an dem heissen Kuechlein den Mund verbrannt, was ihn jedoch nicht schreckte. Mit einem Schluck Bowle abgeloescht, ergriff er flugs die naechste frei herumliegende Gabel und senkte diese zum Angriff in seine ausgebackene Holunderdolde.
“Toll, einfach toll,” begeisterte sich Getaille mit vollem Mund, “un’ scho einfach.” Er machte Anstalten sich mit der Gabel dem heissen Wok zu naehern, wurde aber am Sweatshirt von einem Helfer rechtzeitig abgefangen so dass beide ruecklings umkippten und mit Poltern aus dem Bild verschwanden.
“Nicht wahr?” K-Y ignorierte das Durcheinander und war damit beschaeftigt, fuer das Sendeteam Bowle auszuschenken und Kuechlein auszuteilen, und so kam der Befehl (eine gewedelte Pappe aus Richtung der Regie), die Ausblendung einzuspielen, nicht ueberraschend.
Und das naechste Mal, liebe Zuschauer, stellen wir Ihnen in ‘Admiralissimo’ Admiral Nagashitu vor, die fuer Sie gemeinsam mit K-Y japanisch kochen wird….*
Replikatorreparatur [Petra Hildebrandt]
Ort: USS Longbeard
Zeit: eigentlich auch egal
“Achso… naja… sie koennten nach dem Replikator im Casino schaun, der ist mal wieder hinueber.”
“Wollten Sie das nicht machen, Sir?”
“Genau, bei diesem Drachen von einem Koch. Gehn Sie nur hin, der beisst nicht.”
Dalos Polar war sich da alles andere als sicher. Die Abneigung des klingonischen Maître hinsichtlich Replikatoren war mehr als hinlaenglich bekannt, und auch wenn er kein Mann von Feigheit war, draengte es ihn nicht unbedingt nach einer Konfrontation mit dem Bordkoch. Er wuerde also versuchen muessen, seine Aktionen so heimlich wie moeglich vorzunehmen…
Ort: Kasino, USS Longbeard
Zeit: einige Reparaturen, etwas mehr andorianische Flueche und viel Gebastel, das dem KTECH die Schamesroete bis zu tiefem Violett ins Gesicht treiben wuerde, spaeter
“Fertich.” Diesmal, da war sich Dalos ganz sicher, diesmal wuerde das alte Ding von einem Replikator funktionieren. Genau genommen war es ohnehin ein Wunder dass _irgendwas_ auf diesem alten Pott funktionierte, aber dieses Mal… der stellvertretende CING, das ewige Getipper muede, hatte dieser Einheit sogar ein akustisches Interface spendiert und trug seine Fuehler nun stolz aufgerichtet nach oben, als ihn eine riesenhafte Pranke am Aufstehen hinderte.
“WAS genau tun Sie da?” Es haette nicht der schieren Orkanlautstaerke der Stimme bedurft, um dem Techniker klarzumachen, dass er erwischt worden war. Von IHM. K’YaRT’ash.
“Ich.. ehm.. also… ” Ja, wie sollte er das erklaeren? Am besten die Wahrheit. Sich unter der Hand des Klingonen wegwindend, erlaeuterte er: “Ich… ehm… fuehre einen Reparaturauftrag von Gerry – also ich meine Commander Longbottom-Hijacker – aus.”
Nur nicht das Wort Replikator erwaehnen. Unwillkuerlich hielt der stv. CING die Luft an, aber seltsamerweise blieb der befuerchtete Hieb zwischen die Schultern aus und so langsam straffte sich der Andorianer wieder und drehte sich zu dem Koch um.
“Der Replikator?”
Ein stummes Nicken.
“Verstehe.” K-Y stemmte die Haende in die Hueften. Er betrachtete diese Sache als… Affront? Nein, eher schon eine Kriegserklaerung, wenn auch eine verdeckte. Insofern war es ehrenhaft, mit einem ebenso verdeckten Manoever zu antworten. Und er wusste auch schon wie… in seinem Quartier lagerte noch ein ganz spezieller Datentraeger. Mit einer ganz speziellen Geheimwaffe. Von einer ebenso speziellen Person gefertigt… er lachte laut, wodurch er den verunsicherten Andorianer noch mehr aus dem Konzept brachte (die auf Schallwellen empfindlich reagierenden Kopffuehler des Blauhaeuters zuckten hin und her), und stuermte dann, als gelte es, eine Horde Angreifer niederzurennen, aus dem Kasino.
Kopfschuettelnd sah Polar ihm hinterher. Die Crew auf dieser alten Rostlaube wuerde er wohl nie verstehen.
Ort: Kasino
Zeit: eine Erfolgsmeldung und einige durch Hoergeraete bzw deren Nichtverwendung verursachte Missverstaendnisse spaeter Gespannt standen Josh Ranun, Dean McRight und Gerry Longbottom- Hijacker um das Objekt ihrer Begierde herum.
“Und er funktioniert? in echt? So richtig?” Kinder unter dem Weihnachtsbaum haetten kaum glaenzendere Augen haben koennen als der Senior-Admiral.
“Dalos behauptet es…”
“Also los.” Die drei Maenner sahen sich an. Keiner traute sich den ersten Versuch zu machen – oder von K-Y bei der Bedienung der Teufelsmaschine erwischt zu werden. (Keiner der Anwesenden konnte ahnen dass der Klingone just zu diesem Zeitpunkt in der Bordkueche froehlich Haende rieb und frische Kekse fuer die Admiraltaet buk).
Schliesslich fasste sich der 2O/CING ein Herz: “Computer, einen Kaffee.”
Die Reaktion des Replikators erfolgte umgehend – aber anders als erwartet.
['Bitte spezifizieren Sie die Eingabe'.]
“Einen Kaffee, verdammt.” knurrte Gerry.
['*Kaffee verdammt
“Was ist denn gespeichert?” Longbottom-Hijacker widerstand dem
Versuch, auf den Replikator einzudreschen.
['Diese Einheit dient der Erzeugung von Nahrungsmitteln aus Replikatorrohmasse unter Verwendung schiffseigener Ressourcen. Es sind 150.000 verschiedene Getraenke und Speisen der bekannten Foederationsvoelker und ihrer Nachbarn nebst Varianten und Servierformen implementiert.'] gab der Computer hoeflich zurueck.
Nach einer Denkpause bestellte McRight: “Computer, eine _Tasse_ Kaffee.”
['Bitte geben Sie die gewuenschte Art Kaffee an.'] Immerhin.
“Einen heissen…” ein leises Kopfschuetteln begleitete den nur gemurmelten Satz. “Computer, spezifiziere.”
['Fuer eine korrekte Getraenkeauswahl sind mehr Parameter erforderlich.'] beharrte das System.
Erneutes Ueberlegen, dann ein Einwurf von Josh Ranun. “Italienischen Kaffee?”
“Computer, eine Tasse italienischen Kaffee, heiss.” versuchte es Gerry erneut.
['Ausgabe unmoeglich.']
Mit einem haesslichen ‘zroenkkkk’ kratzte die Quantendispersionsraedelzange, die der 2O/CING in Richtung des Replikators, aber doch daran vorbeigeworfen hatte, ueber den Boden. “Was soll das heissen, bei allen Raumgoettern?”
Entnervt tippte er ein paar Befehle in die altmodische Konsole nebendran und schraubte dann die seitliche Abdeckung der Energiezufuhr und Steuerungschips auf. Unsicher stocherte er mit einem Loukili-Tranformationsprengel im Innenleben des Geraetes herum, verstellte mittels magnetooptischem Justierer ein paar optische Regler, die aus Tradition noch als ‘Jumper’ bezeichnet wurden und verschloss dann sorgsam und fachmaennisch (nunja, die Klappe schloss nicht mehr und hing schief) den Replikator wieder.
“So, jetzt aber… Computer, eine Tasse Kaffee, bitte.”
Drei Maennerherzen standen einen Augenblick still, ehe die Antwort des Systems (nicht das erhoffte *swirl*-Geraeusch) kam.
['Bitte spezifizieren Sie Ihre Eingabe. Es stehen achttausendzweihundertundeinundzwanzig Varianten von Kaffee zur Verfuegung.']
“Computer, verfuegbare Kaffeesorten auflisten.” Langsam bezweifelte Gerry, dass es eine gute Idee von Dalos gewesen war, dem Teil ein akustisches Interface zu verpassen.
Brav fing die Maschine an aufzuzaehlen:
['Aethiopischer Mokka, mild. Aethiopischer Mokka, Harrar. Aethiopischer Kaffee, Kenoba. Aldaranischer Espresso. Aldaranischer Cremekaffee. Aldaranischer--]
“Halt, den nehme ich!” rief McRight geistesgegenwaertig dazwischen.
['Befehl nicht ausfuehrbar. Bitte nennen Sie Ihre Auswahl am Ende der Aufzaehlung. Ich beginne erneut: Aethiopischer Mokka, mild. Aethiopischer Mokka, Harrar...']
Ort: derselbe
Zeit: einige Aufzaehlungen der oben genannten Art und einen auf einem Sessel eingeschlafenen Senior Admiral spaeter
“Kaffee, heiss, Arabica, 20 Prozent Brasilien, Santos, Regenernte, kalkige Boeden, Standard-Bohnengroesse, 80 Prozent Aethiopien, Harrar, primaere Erntesaison, grosse Bohnen, dunkle Roestung bei 270 Grad Celsius.” gab der 2O/CING mit einem _etwas_ ungeduldigen Ton in der Stimme die nun hoffentlich endgueltig richtige Bestellung ein. Der Replikator bestaetigte mit einem Piepton. Erleichtertes Aufatmen der beiden noch im Wachzustand befindlichen Maenner.
Eine Tasse erschien.
Dann: ein ‘*PLING* — *PLOENG* — *PLOENG* *PLOENG* — *PLOENG*’
Augenbrauenheben. Ein harter Schlag gegen den Replikator.
Herausnehmen der Tasse.
Darin: 5 Kaffeebohnen, vier grosse und eine kleine, geroestet, noch leicht dampfend, da heiss.
Unglaeubig starrten die Maenner das Ergebnis ihrer stundenlangen Bemuehungen an.
“Moechten Sie einen Kaffee, Sir?” Elfengleich kam Bosley Crusher auf Zehenspitzen herangetaenzelt, ein Tablett mit – vorgewaermten – Tassen, eine Zuckerschale, einem Sahnekaennchen und einer riesengrossen, unzerbrechlichen Kanne auf der rechten Hand balancierend, in der zweiten Hand eine – unzerbrechliche – Gebaeckdose mit frischem Shortbread.
“Frisch aus der Kueche, Sir. Mit einem herzlichen Gruss von K-Y.”