Lynne Heitman – The Pandora Key

22. August 2010 – 14:40

Lynne Heitman – The Pandora Key

Der Schlüssel den Pandora – so ein Titel macht neugierig. Ich weiss nicht mehr wie The Pandora Key auf meinen Lesestapel kam, aber von der ersten Seite faszinierte mich der Roman.

Alles beginnt damit, dass Privat Eye Alex Shanahan, Ich-Erzähler des Buches — nein, halt. Alles beginnt mit einem seltsam zusammenhanglos erzählt erscheinenden Ereignis, einer Person, Mann oder Frau, die gezwungen ist, gegen ihren Willen an Bord eines Flugzeuges jemanden zu erschiessen während Terroristen das Flugzeug besetzt haben. – Bis heute ist mir nicht klar, ob sich diese Szene auf die Handlung im Buch bezieht (was durchaus denkbar ist und passen könnte) oder aber ein Hinweis auf die (Vor-) Geschichte der Hauptfigur ist, denn wie ich später feststellte, handelt es sich hier um den 4. Band einer Serie.

Wie überhaupt manche Dinge sich quälend langsam für mich als Neueinsteiger in die Welt von Alex Shanahan erschlossen – ich brauchte fast 1/3 des Buches um herauszubekommen dass der toughe Privatdetektiv, der sich in Hosen, Windjacke, Halbschuhe kleidet eine Frau ist. Das mag offensichtlich sein wenn man die anderen Romane kennt, aber ausgerechnet Shanahan, die Ich-Erzählerin, bleibt ein Rätsel.

Ein Rätsel, oder vielmehr eine Verkettung von Rätseln, ist auch der Fall mit welchem sie es zu tun bekommt. Aus heiterem Himmel taucht Rachel Ruffiero, die Ex-Ehefrau ihres Geschäftspartners (und Pfleglings) Harvey Baltimore auf, und schickt Alex auf einen fragwürdigen Auftrag, während sich Rachel mit augenscheinlich unlauteren Absichten an Harvey wieder heranmacht. Und als Alex von ihrem sinnlosen Ausflug zurück kehrt, der ihr nichts anderes verraten hat als dass Rachel eine manipulative Lügnerin erster Güte ist (was sie vorher schon wusste), findet sie das Haus leer, jedenfalls zunächst. Harvey, der kaum aus seinem Rollstuhl aufstehen konnte, ist verschwunden, ebenso Rachel.

Stattdessen stehen plötzlich zwei bewaffnete FBI-.Agenten vor ihr und erzählen ihr eine Geschichte über verschwundenes Geld, Betrüge in Millionenhhebei Rachels ehemaligem Arbeitgeber, und wollen wissen wie Harvey in die Sachen verstrickt ist – während alles was Alex will ist, Harvey zu finden und aus der Bredouille zu retten, in welcher er ihrer Meinung nach steckt.

Ganz unrecht hat sie damit nicht; mit der Hilfe von Freunden findet und befreit sie Harvey aus der Gewalt von Entführern, die sich als Aussenstelle der ukrainischen Mafia entpuppen…

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N. T. Morley – Master / Slave

17. Juni 2010 – 15:08

N. T. Morley ist selbst ein recht bekannter Autor erotischer Literatur. In

Master / Slave

hat er insgesamt 60 erotische Kurzgeschichten aus dem Bereich BDSM zusammengestellt – jeweils 30 aus der Sicht des “Master” und 30 aus der Sicht des “Slave” erzählte. Das Buch kann man umdrehen, so dass auf der einen Hälfte die Stories aus dominanter Sicht zu finden sind, auf der anderen Seite die submissiven.

Erotikgeschichten gibt es viele, gute darunter zu finden ist jedoch alles andere als leicht, und das gilt doppelt für alle Spielarten von BDSM. Doch in dieser fein ausgewählten Anthologie gelingt es Morley, nicht nur relativ bekannte Namen wie Cecilia Tan, Patrick Califia, Debra Hyde oder Midori zu Wort kommen zu lassen, sondern auch neue Stimmen erheben sich hier und (ver-) führen den Leser tief in die Welt von Dominanz und Unterwerfung.

Erotik findet im Kopf statt; so sind auch die Geschmäcker verschieden. Wer sich für Master/Slave interessiert, sollte sich darüber im Klaren sein, dass hier ausschliesslich männliche Doms und weibliche Subs vorkommen, und eine eher (mässig) harte Spielart von BDSM gepflegt wird. (Interessanterweise beschweren sich bei Amazon.com die Kommentatoren sowohl über “zuviel vanilla” wie auch “zuviel BDSM / weird sex” – man kann es einfach nicht jedem recht machen).

Unabhängig von den eigenen sexuellen Neigungen sind die Stories in dieser Sammlung sprachlich ausgefeilt, abwechslungsreich ausgewählt,und nicht selten von durchaus literarischer Tiefe. Die Dynamik zwischen den Protagonisten ist exzellent ausgearbeitet, kurzum, es ist eine Lust, diese erotischen Kurzgeschichten zu lesen und sich in die spannungsgeladene Atmosphäre und Erotik der Erzählungen hineinziehen zu lassen. Die Auswahl der Geschichten ist für meine Begriffe ausgesprochen gelungen und höchst anregend. Ein schöner Reader, nicht nur fürs Kopfkissen :-) .

Susanne Fröhlich – Frisch gepreßt (Hörbuch)

13. Juni 2010 – 08:05

In Frisch gepreßt lässt Susanne Fröhlich, muntere Radio-Talkerin des Hessischen Rundfunks, ihre Protagonistin, Claudia Schnidt, als Ich-Erzählerin frisch von der Leber weg berichten, wie es denn so zu geht, wenn eine frisch gebackene Mutter 5 Tage im Krankenhaus zubringt.

Susanne Fröhlich – Frisch gepreßt – 1 CD

Genauer, die Geschichte beginnt damit, dass Frau Schnidt – im Kreisssaal befindlich – eben genau das tun soll – Pressen, und zwar das Baby aus sich heraus. Völlig entnervt von einem widerwärtigen Gynäkologen und dem wenig brauchbaren Erzeuger ihres herbeigesehnten Nachwuchses, schafft sie es schließlich, das Kind zur Welt zu bringen – und findet sich zwischen zwei merkwürdigen Mit-Wöchnerinnen wieder, liebreizenden Schwestern, gnatzigen Ärzten, Krankenhauskost, Babyfläschchen und Beinahe-Schwiegereltern, darüber räsonierend wie es nur zu all dem kommen konnte.

Mit viel Ironie und Sarkasmus gespickt lässt Claudia Schnidt uns nicht nur am Alltag im Krankenhaus teilhaben, der von der Flatulenz und dem Stuhlgang der Bettnachbarin ebenso geprägt wird wie von regelmässigen Mahlzeiten und scharenweise auftauchenden Medizinstudenten, sie erinnert sich auch daran wie sie den Vater ihres Kindes nach manchen Wirrungen kennenlernte… Die Geschichte an sich ist weder neu noch weltbewegend, dafür aber sehr erheiternd in Szene gesetzt, und ich vermute, so manche frisch gebackene Mutter könnte ab und an Tränen lachen.

Susanne Fröhlich spricht ihren Text selber, was bei einer routinierten Sprecherin wie ihr natürlich sinnvoll ist; ich hätte mir ihren Vortrag oft noch pointierter gewünscht (ich weiss dass sie das kann), aber so richtig zum Leben erweckt sie die Story akustisch eigentlich erst, als sie einen breites Südhessisch babbelnden Medizinstudenten mit Porsche in Claudias Leben auftauchen lässt, der _irgendwie_ daran schuld ist dass sie nun mit dem Kindsvater (einem anderen) liiert ist, obwohl der doch an ihr eigentlich gar kein Interesse hatte…

Frisch gepreßt ist ein Buch voll Alltags- und Situationskomik, mit liebevoll überzeichneten Charakteren wie aus dem echten Leben, und macht einfach Spaß. Die gelesene Fassung ist aber nicht allzu lang, auf eine Silberscheibe passt das Büchlein – und auch die Handlung im Krankenhaus umfasst, ohne die Rückblicke, gerade mal 5 Tage.

Ich habe das Buch beim Autofahren gehört – nichts wo man konzentriert hinhören muss, aber auch nichts von dem ich sagen würde, muss man gehört oder gelesen haben.

Summa summarum: Ganz nett.

Felicity Lawrence – Not on the label

10. Juni 2010 – 12:15

Felicity Lawrence ist Mitarbeiterin des Guardian und, man möchte fast sagen, Journalistin alter Schule, eine die mit offenen Augen und Ohren ihre Themen recherchiert und auch nicht vor Gegenwind zurückschreckt. Ihr Buch

Not on the Label
What really goes into the food on your plate

erschien bereits 2004; dem Thema Essen und food politics widmet sie sich seit rund 20 Jahren. Das Buch basiert zum Teil auf Feature-Artikeln, die sie für den Guardian geschrieben hat. Obwohl deswegen ein Teil der Daten darin heute veraltet ist, wirft es dennoch einen erschreckend aktuellen Blick auf die vor allem britische Welt der Nahrungsmittel in Supermärkten; man kann aber davon ausgehen dass das meiste davon heute 1:1 auch auf den Rest Europas übertragbar ist.

Das erste Kapitel, “Chicken”, widmet sich der Massenproduktion von Geflügel – von den (un-) hygienischen Bedingungen ihrer Schlachtung, über das grenzenlose Verschieben von Hühnerteilen und deren Verfallsdatum quer durch die EU, bis hin zum Aufbessern des Verkaufsgewichtes mittels “hydrolisierten Proteinen’, die auch schon mal vom Schwein (100 % halal) oder dem Hirn eines BSE-Rindes kommen können. Spätestens hier und bei der Zutatenliste eines bekannten Fastfood-Geflügelbestsellers könnte man als Leser beschliessen, nie mehr im Leben irgendetwas mit Huhn in der Systemgastronomie zu essen.

In diesem Kapitel legt Lawrence bereits deutliche Hinweise auf den Schwerpunkt des Buches aus – zwar geht es ihr auch um die organisierte Lebensmittelpanscherei in der industriellen Produktion von Nahrung; vor allem aber will sie aufzeigen, dass das ‘System’ Supermarkt mit seinem Preisdruck, der Verlagerung von Lagerflächen auf die Strasse, und der abartigen Erpressung der Erzeuger Schuld daran ist, dass wir nicht preisgünstigere, sondern im Wortsinne billigere Lebensmittel zu hohen Kosten auf anderen Gebieten vorgesetzt bekommen.

So dreht sich das Kapitel ‘Salad’ auch nur vordergründig um gewaschene Blätter in gasgefüllten Beuteln, die das ach so gesunde Grün ebenso frisch halten wie sie ihm jeglichen Nährwert nehmen. Schnell komt sie auf ein Thema, das sich durch das ganze Buch wie ein roter Faden zieht: die Ausbeutung, ja sklavenähnliche Haltung von Farmarbeitern – in England pakistanische oder auch EU-interne Migranten, die von Ganglords unter menschenunwürdigen Bedingungen ausgebeutet werden; in den Plastikgewächshaus-Monokulturen Spaniens dann Algerier und Marokkaner, die wie Vieh in winzigen Kaschemmen leben. Sklaverei existiert – mitten unter uns, in den reichsten Nationen der Welt – damit wir billigen gewaschenen Salat im Supermarkt vorfinden? Etwas läuft hier grundlegend falsch.
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Anthony Bourdain – So koche ich

18. April 2010 – 10:00

In diesem Buch beschreibt Anthony Bourdain, wie ein Laie zu Hause Gerichte wie die der Küche des Les Halles, wo er einige Jahre Küchenchef war, mit viel Vorbereitung und wenig finalem Aufwand auf (semi-) professionellem Niveau selbst herstellen kann.

So koche ich. Im Les Halles, New York

Geschrieben ist das Werk, als würde Tony himself direkt zum Leser als Kochlehrling sprechen, in einem auf Deutsch manchmal etwas befremdlich anmutenden Duktus, was auch an der Problematik liegen könnte, seinen Slang in eine andere Sprache zu übertragen. In der gewohnt rotzigen, kerligen Art, die er zu kultivieren pflegt, mit ein bisschen Flair im Stil von “ein Koch erscheint nur dan nicht zur Arbeit wenn seine Mama gestorben ist oder er mit den Füssen voraus rausgetragen werden muss”, führt Bourdain den Leser durch das kleine und grosse Kücheneinmaleins einer professionell arbeitenden Küche, von Mise-en-place (zu lauter Lieblingsmusik, was bei ihm zu einer Zen-Übung wird) über Kalbsfond und demi-glace bis zu den Höhen und Tiefen der klassisch-französischen (Fleisch-) Küche.
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Elisabeth Scotto – Wiederentdeckte Gemüse

9. April 2010 – 08:08

Alte und unbekannte Gemüsesorten bereichern in den letzten Jahren zunehmend den Speiseplan von locavores und Gourmets, und eine Vielzahl von Büchern widmet sich dem Thema, so auch

Wiederentdecktes Gemüse, von Elisabeth Scotto

“95 Rezepte” verspricht das Cover des grossformatigen Hardcover- Buches von Kaleidoskop / Christian-Verlag, und die Kapitelüberschriften lesen sich viel versprechend:

  • Kürbisse
  • Wurzelgemüse
  • Blattgemüse
  • Würzende Gemüse
  • Fruchtgemüse

Da finden sich zum Beispiel Neuseelandspinat, Schwarzer Rettich, Knollenziest, Kapuzinerbart, Topinambur.. das lässt sich auf den ersten Blick nicht schlecht an.
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William Gibson: Pattern Recognition

19. Dezember 2009 – 15:28

Pattern Recognition hat es bei io9, dem grossen Scifi-Portal, auf die Liste der Top 20 der ScienceFiction & Fantasy der Dekade geschafft, und so bin ich dann froh, mit William Gibsons Roman doch wenigstens eines dieser Bücher gelesen zu haben. (Autorin Annalee Newitz bezeichnet es als ‘reine’ Scifi-Liste, aber die Harry-Potter-Bücher gehören für mich definitiv nicht in die SF).

William Gibson – Pattern Recognition

Gleichzeitig ist das aber auch erstaunlich, denn Pattern Recognition ist eigentlich kein Science-Fiction Roman, eher schon das was man als Gegenwartsliteratur bezeichnet, für den durchschnittlichen Literatur-Rezensenten vielleicht ein bisschen zu geekig und nerdig, aber im grossen und ganzen ein Roman, der in der Jetztzeit spielt und sich ihrer Mittel, Schauplätze und Marken bedient.

Die Hauptfigur, Cayce Pollard, erinnert auffällig an Marly Kruschkova, und das ist fast das Beste was man über sie sagen kann. Zu Beginn des Romans ist Cayce, gesprochen Case (wird Gibson hier nicht etwas arg selbstreferentiell, oder gehen ihm die Charakternamen aus?), noch eine Figur die neugierig macht – deren seltsamer Tick, auf viel beworbene Logos und Markennamen allergisch zu reagieren, eigenartig mit ihrer Fähigkeit korrespondiert, Trends zu erkennen – Cayce ist ein hochbezahlter Spezialist, ein ‘cool hunter’, eine Beraterin in Sachen Top-oder-Flop wenn es um Marketingaktionen geht.

Ihr Spleen, keine Massenwaren zu tragen und nur ‘echte’ Originale, wahre Designschätze an ihren Körper zu lassen, diese aber bar jeden Logos (Gibson hat anscheinend No Logo aufmerksam gelesen) macht sie fast zu einer Stil-Ikone, macht Laune, sich auf die gleiche Weise dem marktschreierischen Logogedröhne unseres Alltags zu entziehen. Aber Cayce schafft es durch den ganzen Roman nicht, aus einem halb jetlag-bedröhnten, halb soziophoben Beinahe-Komazustand zu so etwas wie richtigem Leben zu erwachen, obwohl die Aufgabe, die sie erwartet, unglaublich faszinierend zu sein scheint. Sie jagt “Footage”.

Das grösste Rätsel das sich dem Leser am Anfang des Buches stellt ist die Frage was “footage” überhaupt ist, und warum Cayce davon so fasziniert ist, warum Menschen auf der ganzen Welt dieser Footage nachjagen und ihren Sinn zu ergründen suchen. “Footage”, stellt sich heraus, sind winzige Videoschnipsel, kinofilmartige Ausrisse aus einem Gesamtwerk oder auch filmische Vignetten die für sich allein stehen – das ist bei den Fans umstritten – und was die “footage” umso interessanter macht ist ihre mysteriöse Herkunft. Leider kann Gibson dem Leser die Faszination der Fans für die Footage nicht vermitteln, denn seine Beschreibung der Videoclips ist nicht minder ausrisshaft. Niemand weiss, wer diese Videos produziert, woher sie kommen, oder auch nur wie sie ins Web gelangen.
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Terry Pratchett: Der Winterschmied (Hörbuch)

11. Dezember 2009 – 12:24

Der Winterschmied ist das dritte Buch einer auf der Scheibenwelt angesiedelten Jugendbuchreihe von Terry Pratchett rund um die werdende Hexe Tiffany Weh (im Original Tiffany Aching). Ich kannte keinen der Romane zuvor, das ist aber auch nicht nötig, um an

Winterschmied CD

Terry Pratchett: Der Winterschmied
Hörbuch (5 CD)

Gelesen von Boris Aljinovic

einen Riesenspass zu haben.

Tiffany ist in Hexenausbildung bei Fräulein Verrat, einer Hexe die rund 100 Jahre älter ist als sie, und bei all ihren Schrullen höchst respektiert. Eines schönen Tages nimmt Fräulein Verrat Tiffany mit zu einem Morisken-Tanz, einer ausgesprochen ernsten Angelegenheit, denn bei diesem Tanz wird traditionell (und irgendwie magisch) der Wechsel vom Winter zum Sommer eingeleitet.

Die alte Hexe warnt ihre Schülerin, weder hinzusehen noch sich zu bewegen. Doch Tiffany kann nicht anders als hinsehen, lässt sich von einem unerklärlichen und unvernünftigen Drang treiben, mitten in den Tanz hineinzuspringen und mitzutanzen – mit dem Ergebnis, dass der Winterschmied, die Urgewalt, die für Schnee, Eis, Kälte und den Winter an sich zuständig ist, sich in sie verliebt.

Fortan fallen Millionen Schneeflocken in der Gestalt von Tiffany, der das alles unglaublich peinlich ist – das wäre nicht weiter schlimm, aber ein menschlicher Teenager ist nicht der passende Partner für einen Quasi-Gott, der noch nie zuvor Gefühle empfunden hat. Und während die Scheibenwelt in einem ewigen, alles erstickenden Winter zu versinken droht, und Eisberge in Gestalt von Tiffany den Schiffsverkehr lahmlegen, verwandelt sich Tiffany langsam in ein Abbild der Sommerfrau, der Gegengewalt zum Winterschmied, der seinerseits alles unternimmt, um menschlicher zu werden, um der Angebeteten näher zu sein.

Mit von der Partie sind – natürlich – die “Kleinen Grössten Männer”, die persönliche blaue Schutztruppe von Gnomen rund um Rob Irgendwer, die Tiffany niemals ganz aus den Augen lassen, eine Menge Hexen – darunter Nanny Ogg und Granny Weatherwax, die selbstredend mal wieder eine ganz eigene Agenda verfolgt – und haufenweise fröhliche ausgelassene Wortspielereien und fantastische irrwitzige Ideen. Und so ziehen die ‘Grössten’ los, einen Helden ausfindig zu machen, weil nur ein Held die verfahrene Situation mit der Sommerfrau lösen kann, überqueren den Fluss der Toten, gehen dabei dem Fährmann gehörig auf den Wecker, während Nanny Ogg in einer unerwarteten Hühnerschwemme steckt, und Tiffany eine Menge darüber lernt wie die Magie der Scheibenwelt funktioniert und was eine Hexe – und einen Menschen – wirklich ausmacht.

Das alles wäre für sich genommen schon recht heiter und vergnüglich – wie Boris Alijnovic auf diesen 5 CDs aber die einzelnen Charaktere und sogar auftretenden Geräusche stimmlich zu sprühenden Leben erweckt, ist das Tüpfelchen auf dem i.

Ein eher leichtfüssig gehaltener, dennoch tiefgründiger Hexen-Roman von der Scheibenwelt, der als Hörbuch für besonders gute Laune sorgt – sehr gut gelungen!

Mia Ming: Schlechter Sex

7. November 2009 – 04:09

“Von Stellungsfehlern, grotesken Fantasien und absurden Leidenschaften, Macht- und Minderwertigkeitskomplexen, sexuellen Traumwelten und der frustrierenden Realität” will

Mia Ming – Schlechter Sex
33 Frauen berichten über ihre lustigsten, peinlichsten & absurdesten Erlebnisse

laut Klappentext berichten.

Das klang vielversprechend, und ich erhoffte mir Inspirationen davon auch für meine eigene Schreibarbeit – perfekte, weichgezeichnete Liebes- und Sexzenen kann man allerorten im Kino sehen, aber wie sieht schiefgegangenes Liebesspiel, katastrophaler Sex aus?

Mia Ming hat 33 Erlebnisberichte von Frauen zusammengetragen, die im weitesten Sinne mit Sex zu tun haben – und setzt Vorworte an Männer und Frauen vor die Texte, die den Frauen zu sagen scheinen, schaut her, ihr seid nicht alleine mit dem miesen Sex an dem die Kerle schuld sind, es geht auch anderen so, und den Männern: schaut hin und lernt was draus. Letzteres mag ja noch halbwegs hinkommen, aber ersteres…?

Zunächst einmal, wenn man einen Begriff wie Todsünden verwendet, sollte man möglichst im klassischen Komplex derselben bleiben – in der christlichen Lehre, aus der sich dieser Begriff entlehnt, gibt es sieben, nicht 33 Todsünden, und die Überschriften scheinen auch ebenso beliebig wie sinnlos gewählt – warum soll Sex mit einem unerfahrenen Mann nicht schön sein? Auch Gier, oder selbst Unterwürfigkeit, kann im entsprechenden Kontext extrem erotisch sein. Ein Blick auf die anderen “Todsünden” zeigt aber sehr deutlich, dass es eigentlich gar nicht um (schlechten) Sex geht, sondern um lausige Beziehungen.

  • Gier
  • Unterwürfigkeit
  • Nachlässigkeit
  • Grobheit
  • Respektlosigkeit
  • Ignoranz
  • Selbstüberschätzung
  • Anspruchslosigkeit
  • Unerfahrenheit
  • Geiz
  • Eitelkeit
  • Maßlosigkeit
  • Vergeistigung
  • Untreue
  • Unkontrolliertheit
  • Verantwortungslosigkeit
  • Phantasielosigkeit
  • Verkommenheit
  • Unbedarftheit
  • Arroganz
  • Narzissmus
  • Falschheit
  • Übermut
  • Niedertracht
  • Belanglosigkeit
  • Widerwärtigkeit
  • Unaufrichtigkeit
  • Unbeholfenheit
  • Egoismus
  • Orientierungslosigkeit
  • Übereifer
  • Unorganisiertheit
  • Wahllosigkeit

Beim Lesen habe ich das Gefühl in einer 80er-Jahre-Blase zu stecken.
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Eckart von Hirschhausen: Die Leber wächst mit ihren Aufgaben

23. Oktober 2009 – 07:57

Von Hirschhausen scheint momentan medial überall zu sein – im Radio, im Fernsehen, auf der Bühne – und auf meinem Lesestapel. Ein bisschen war ich der immergleichen Bonmots und einstudierten Szenen über Glück und Menschheit ja schon überdrüssig, und hatte so meine Zweifel ob ich

Eckart von Hirschhausen: Die Leber wächst mit ihren Aufgaben

wirklich lesen sollte. Aber ein Blick in das Buch, und ich begann zu kichern… kein schlechtes Zeichen.

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